Caritasverband Baden-Baden unterstützt Ratsuchende bei finanziellen Herausforderungen
Mit der neuen Sozialen Schuldnerberatung erweitert der Caritasverband Baden-Baden sein Angebot, um Ratsuchende frühzeitig und unbürokratisch zu unterstützen und den zunehmenden finanziellen Problemlagen der Menschen gerecht zu werden. Die Termine sind bereits gut nachgefragt. „Ohne die Anschubfinanzierung der Redel Stiftung wäre die Stelle nicht realisierbar gewesen“, sagt Vanessa Ruppert, die den Fachbereich Offene Dienste beim Caritasverband leitet.
Lange Wartezeiten abfedern
Seit wenigen Wochen ist Maximilian Eberlein das Gesicht der Sozialen Schuldnerberatung der Caritas. „Bei anerkannten Schuldnerberatungen ist es oft schwer einen Termin zu bekommen. Wartezeiten von drei bis acht Monate sind Standard“, sagt er. „Kollegen aus Achern haben oft Aufnahmestopps und lange Wartelisten“, ergänzt er. Dabei sei schnelles Handeln meist dringend erforderlich.
Eberlein ist Sozialarbeiter und hat einen Master in Sozialrecht. Seit April berät er in Baden-Baden für die Caritas. Zu ihm können alle aus dem Stadtgebiet Baden-Baden kommen. „Außer Selbständige, weil deren Situation rechtlich komplexer ist“, sagt er.
Erst bei hohem Leidensdruck beraten lassen
Es geht bei ihm nicht um präventive Beratung oder dass jemand kurzfristig seine Rechnungen nicht bezahlen könne. Wer bei ihm einen Termin vereinbart, hat bereits umfangreiche finanzielle Probleme. „Die Menschen kommen erst, wenn ein hoher Leidendruck da ist und zum Beispiel das Konto bereits gesperrt ist oder eine Pfändung bevorsteht“, beschreibt Eberlein. „Meistens, wenn es schon zu spät ist und Schulden mehrere Tausend Euro betragen.“ Bei der bislang höchsten Summe eines Ratsuchenden sei es um 190.000 Euro gegangen.
Er stellt den Unterschied von Verschuldung und Überschuldung klar. „Verschuldet ist man schon mit einem Kredit, zum Beispiel für die
Finanzierung eines Autos oder einer Immobilie. Wenn man seine Verbindlichkeiten dauerhaft nicht mehr begleichen kann und im Prinzip zahlungsunfähig ist, spricht man von Überschuldung.“
Gründe für die Überschuldung
Er räumt ein, dass die Situation oft mit psychischen Erkrankungen einhergehe. „Das war so in 90 Prozent der Fälle, die ich in den ersten Wochen hier beraten hatte.“ Manche öffnen aufgrund von Überforderung und Ängsten nicht mal mehr ihre Post. „Bei einer Klientin sind Geldforderungen deshalb unbeantwortet geblieben und sehr hohe Kosten entstanden“, sagt er. „Das hätte man vermeiden können.“
Auf Krankheit folgen laut Überschuldungsreport unverschuldete Arbeitslosigkeit und Trennung oder Tod des Lebenspartners als weitere häufige Gründe. „Dann fehlt auf einmal viel Geld“, sagt Eberlein. „Auch Einkommensarmut, wenn man arbeitet, aber das Geld nicht reicht, kann in die Überschuldung führen.“ Bei unter 25-Jährigen seien Überforderung und unwirtschaftliche Haushaltsführung sowie zu hohe Konsumausgaben die Hauptursachen.
Erste Schritte bei der Beratung
Bei ihm in der Sozialen Schuldnerberatung gehe es zunächst darum, sich einen Überblick über die Schulden zu verschaffen. „Nach einer Terminvereinbarung weise ich darauf hin, Forderungsschreiben mitzubringen: Mahnungen, Inkassobüro-Schreiben, gelbe Briefe, Kontoauszüge der letzten drei Monate und alles, was sonst noch wichtig ist“, sagt Eberlein. Die Menschen wüssten oft selbst nicht mehr, wie hoch ihre Schulden überhaupt seien und ob einzelne Rechnungen bezahlt oder noch offen seien. Manchmal müsse erst bei Gläubigern nachgefragt und alles mühsam rekonstruiert werden.
„Wenn wir einen Überblick über die Schulden haben, machen wir im zweiten Schritt einen Haushaltsplan mit allen Einnahmen und Ausgaben“, sagt der Schuldnerberater.
Es könne helfen, mit Gläubigern zu verhandeln. „Im Falle eines jungen Mannes haben seine Konsumausgaben und die Bezahlung über einen Zahlungsdienstleister für Online-Käufe, zu hohen Schulden geführt“, sagt Eberlein. „In solchen Fällen kann eine Ratenzahlungsvereinbarung helfen. Ich kann zum Beispiel beim Mobilfunkanbieter anrufen und Zahlungsvereinbarungen treffen. Auch mit Vermietern und Inkassounternehmen kann man immer sprechen“, führt er aus. „Manchmal bringt das was und manchmal weniger“, räumt Eberlein ein.
Nebenkosten und Energie als finanzielle Probleme
Ein häufiges Problem seiner Klientinnen und Klienten seien Energieschulden. „Die Kosten für Strom, Gas, Öl, Heizung sind immens gestiegen, sodass Nebenkostenrechnungen teilweise nicht mehr bezahlt werden können.“ Die Menschen kämen zu ihm, wenn der Strom abgestellt worden sei.
Für solche Fälle gebe es beim Caritasverband einen Energiearmutsfond, aus dem auf Antrag Energieschulden bis 1.500 Euro beglichen werden könnten. „Das ist nur einmalig möglich und das Geld geht direkt an den Energieanbieter“, sagt Eberlein. Alternativ müsse man Ratenzahlungen vereinbaren.
Keine Wunderwege aus der Überschuldung
Falls ein Konto gesperrt sei, rät er zu einem Pfändungsschutzkonto, sodass auf dem Konto etwa 1.560 Euro als Freibetrag vor Pfändung geschützt sei. Sei ein Girokonto als Pfändungsschutzkonto eingetragen, könne man es nicht mehr überziehen.
Es gehe bei ihm um Existenzsicherung. „Miete, Strom und Lebensmittel müssen bezahlt sein“, sagt der Schuldnerberater. Wohnungslosigkeit müsse vermieden werden. „Unnötige Ratenzahlungen müssen gegebenenfalls zunächst eingestellt werden unter dem Hinweis auf Zahlungsunfähigkeit. Wir bitten dann von Zwangsmaßnahmen wie Pfändungen abzusehen und klären erstmal die Situation. Dann gehen wir wieder auf die Gläubiger zu“, beschreibt Eberlein seine Vorgehensweise.
„Manche Ratsuchende hätten es am liebsten, dass ich alles für sie übernehme. Wir machen hier aber Hilfe zur Selbsthilfe und die Klientinnen und Klienten müssen auch mitwirken.“ Die meisten seien realistisch, dass es keinen Wunderausweg bei Überschuldung gäbe.
Bei Privatinsolvenz sind Grenzen gesetzt
Weil Eberlein neben der Schuldnerberatung auch im Sozialdienst des Caritasverbands tätig ist, kann er über die klassische Schuldnerberatung hinaus Hilfestellung geben. „Ich kann in der SozialenSchuldnerberatung auch zu verschiedenen Anträgen wie Wohngeld und Arbeitslosengeld beraten,“ sagt er.
Zugleich gibt es Grenzen. Im Falle einer Privatinsolvenz, im Fachjargon Verbraucherinsolvenzverfahren genannt, erfolgt die weitere Beratung über eine anerkannte Schuldnerberatung. „Dafür benötigt eine Schuldnerberatungsstelle einen Rechtsanwalt beziehungsweise eine Rechtsberatung“, sagt er. Dies könne der Caritasverband Baden-Baden nicht bieten. Aber die Vorabberatung könne er in jedem Fall leisten. „Bei der Caritas kostenfrei“, meint er.
Wie einer Überschuldung vorbeugen?
Der Fachmann rät jedem dazu, einen Budgetplan zu machen und alle Einnahmen und Ausgaben, die man hat, festzuhalten. „Das ist das Wichtigste, um einen Überblick über die eigene finanzielle Situation zu haben und Überschuldung vorzubeugen.“
Des Weiteren empfiehlt er, sich frühzeitig bei einer Schuldnerberatung Hilfe zu suchen und über Schulden zu sprechen, ob mit Familienmitgliedern, Freunden oder mit einem vertrauensvollen Kollegen. „Wenn man das Schuldenthema frühzeitig angeht, lässt sich viel vermeiden.“
Einen weiteren Tipp, falls eine Pfändung bevorstehe, hat Eberlein zudem: „Bevor ein Gerichtsvollzieher sich beim Arbeitsgeber oder Vermieter meldet, rate ich, vorher das Gespräch mit dem Chef oder Vermieter zu suchen. Auch wenn es eine unangenehme Situation ist.“ Man solle dann darlegen, dass man bei einer Schuldnerberatungsstelle sei und das Thema Überschuldung angehen möchte. „Menschen, die das machen, fahren aus Erfahrung oftmals besser“, sagt Eberlein.
Weitere Informationen & Sprechzeiten
Die Soziale Schuldnerberatungsstelle des Caritasverbands Baden-Baden ist zu folgenden Zeiten erreichbar:
Dienstag 9-12 Uhr; Mitt-woch 13-16 Uhr, Donnerstag 9-18 Uhr.
Über folgenden Link kann online ein Termin vereinbart werden:
https://outlook.office.com/book/SchuldnerberatungCaritasBadenBadeneV@sctcaritascloud.onmicrosoft.com/

