Not sehen und handeln.
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04 Sep 2019

Leitwort September 2019

Scham und Menschenwürde

Scham was ist das? Wir alle kennen das Gefühl. Scham löst Verletzlichkeit bis hin zu schmerzhaften Erinnerungen aus. Scham ist peinlich. Unser Körper reagiert darauf, oftmals z.B. mit Erröten. Der beschämte Mensch zieht sich zurück, er igelt sich ein, er flüchtet oder er geht in den Kampf. Die Würde des Menschen ist verletzt und dies kann durch andere (aktiv) oder durch sich selbst (passiv) geschehen.
Fällt Ihnen in diesem Moment eine Situation ein, wo und weshalb Sie errötet sind? Mir werden viele Situationen bewusst. Vor allem, wie das Umfeld auf meine Errötung reagierte. Der Mensch erinnert sich oftmals eher an die Reaktionen seines Umfeldes.

Zum Thema Menschenwürde und Scham bildet Dr. Stephan Marks (Sozialwissenschaftler, Supervisor und Sachbuch-Autor) Berufstätige, die mit Menschen arbeiten fort. Z. B. Seelsorger, Führungskräfte, Berater, Psychotherapeuten, Sozialpädagogen, Mediziner u.v.a..

Vor ein paar Jahren war ich bei einer seiner Fortbildungen. Das Thema hat mich nicht nur im Verlauf der Fortbildung beschäftigt, sondern auch im Anschluss. Ich habe mich selbst beo-bachtet: wo, wie und wann begegnet mir das Thema Scham im beruflichen aber auch privaten Kontext? Wie gehe ich mit Scham um? Wann und von wem wurde ich in meinem Leben beschämt? Aber auch: wann habe ich andere beschämt?

Das Gefühl Scham wird in unserer Gesellschaft tabuisiert. Es spricht kaum jemand darüber. Dabei ist die Scham nicht nur negativ, sie ist ein wichtiger Bestandteil unserer Entwicklung. Leon Wurmser sagt: „Scham ist die Wächterin der menschlichen Würde.“ Scham entwickelt sich in der frühen Kindheit ab ca. Mitte des 2. Lebensjahres. Die Scham wird über Generatio-nen weitergereicht in unterschiedlichen Kontexten wie z. B. Familie, Kindergarten, Schule u.v.a.
Scham ist nicht das Gleiche wie Beschämung. Scham ist eine natürliche Reaktion einer Person, wenn sie z.B. einen Fehler gemacht hat. Dagegen wird Beschämung ausgelöst, indem Menschen andere Personen mit Verachtung, Ausgrenzung, Bloßstellung oder Verhöhnung gegenübertreten.

Die Scham kann in vier Schwerpunkte unterteilt werden, die jedoch ineinanderfließen können.
Scham infolge von Missachtung, von Grenzverletzungen, von Ausgrenzung und Verletzung der eigenen Werte.
Ein Grundbedürfnis jedes Menschen ist Anerkennung. Wird dieses Bedürfnis verletzt, z. B. wenn Menschen nicht gesehen oder wie Luft behandelt werden, können aufgrund dieser Missachtung Schamgefühle entstehen. Diese werden auch ausgelöst, wenn körperliche oder seelische Grenzen überschritten werden oder wenn öffentlich die Privat- oder Intimsphäre verletzt wird. Ein weiteres Grundbedürfnis des Menschen ist die Zugehörigkeit. Wird diese verletzt, indem Ausgrenzungen geschehen, weil Menschen als „anders“ als „schwach“ bewertet werden z. B. Arbeitslose, psychisch Kranke, Arme, Behinderte – dann schämt sich die be-troffene Person für ihr Dasein. Schamgefühle können auch durch Verletzung der eigenen Werte und der persönlichen Integrität entstehen.

Marks sagt: „Die Würde eines Menschen zu achten, bedeutet damit – aus der Sicht der Schampsychologie – ihm oder ihr überflüssige, vermeidbare Scham ersparen. Das heißt, einen „Raum“ zur Verfügung zu stellen, in dem er oder sie Anerkennung, Schutz, Zugehörigkeit und Integrität erfährt.“

Mit diesem Artikel möchte ich Sie zum einen darauf aufmerksam machen, dass nicht nur wir Mitarbeiter*innen am Arbeitsplatz mit unseren Klienten achtsam umgehen sollten, sondern jeder in unserer Gesellschaft sollte sich bewusstmachen, wie die Würde meines Gegenübers geachtet werden kann. Zum anderen möchte ich Sie neugierig machen, sich mit dem Thema Scham zu beschäftigen.

Es grüßt Sie herzlich
Isolde Jenc
Mitarbeiterin in der Gemeindepsychiatrie und Gemeindecaritas
Sozialarbeiterin/-pädagogin (B.A.)
Gestalttherapeutin und Systemische Beraterin

01 Jul 2019

Leitwort Juli 2019

In Baden-Baden sind seit 2015 weit über 1000 geflüchtete Menschen, aus den unterschiedlichsten Fluchtgründen angekommen. Auf Grund verschiedener internationaler Übereinkünfte, kommen derzeit nur noch wenig „neue“ Flüchtlinge in Deutschland und somit auch bei uns in Baden-Baden an.

War in den Jahren 2015 bis 2016 eine hohe Bereitschaft in der Gesamtbevölkerung vorhanden, diese Menschen ehrenamtlich durch Begrüßungscafés, Sprachkurse, Patenschaften und vielem mehr zu unterstützen, so stagniert seit 2017 die Zahl der ehrenamtlichen Helfer. Seit Ende 2017 ist diese sogar rückläufig, auch wenn viele Ehrenamtliche der ersten Stunden einen langen Atem beweisen und weiterhin aktiv sind. Doch gerade in der jetzigen Zeit, nachdem Menschen in Anschlussunterkünften untergebracht und entsprechende Grundbedürfnisse versorgt sind, „beginnt“ die eigentliche Arbeit – die Integration in unserer Gesellschaft.

Als ich vor kurzem ein Beratungsgespräch mit einer Ehrenamtlichen führte, stellte Sie mir die Frage, was denn eigentlich Integration genau bedeutet? Versetzen Sie sich einmal in meine Situation, wie würden Sie Integration erklären?

Natürlich konnte auch ich, ihr die hierzu übliche Erklärung – Wohnraum, Sprache, Ausbildung/ Arbeit, Vereinsmitgliedschaft, … – liefern, dennoch beschäftigte mich die Frage weiter, was mir Anlass gab, mich mit der Begriffsbestimmung von Integration genauer zu beschäftigen.

Laut „Fact Sheet Begriffsklärung Integration und Inklusion“ des deutschen Caritasverbandes geht es um die Frage des Zugangs zu und der Teilhabe an den gesellschaftlichen Teilsystemen wie Bildung, Beruf, Wohnen, Gesundheit, etc …

„Die Katholische Kirche in Deutschland und ihre Caritas meinen mit Integration wechselseitige und vielschichtige Prozesse, die sich in der Gesellschaft und zwischen ihren einzelnen Angehörigen abspielen und sie verändern. Jeder Beteiligte akzeptiert, zu einem Teil des Ganzen zu werden und verpflichtet sich dazu, die Würde und Integrität des anderen zu respektieren. Bei der Integration geht es nicht darum, Menschen in etwas Bestehendes und Statisches einzugliedern oder sie daran anzugleichen. Es geht vielmehr darum, Teilhabechancen zu gewährleisten und die Gesellschaft gemeinsam zu gestalten. Hauptakteure in diesen Prozessen sind die Menschen selbst. Dieser Prozess wird durch vielerlei private Initiativen, Organisationen und staatliche Institutionen gefördert. Aus ihrem Selbstverständnis heraus engagiert sich die Katholische Kirche und ihre Caritas stark für die Integration. Integrationsprozesse finden in unterschiedlichen Lebensbereichen statt und hängen von gesellschaftlichen Bedingungen sowie vorherrschenden Handlungs- und Denkmustern ab. Dies fordert von den jeweiligen Akteuren unterschiedliche Anstrengungen. Für Einzelne – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – kann das bedeuten, Einstellungen und Verhalten an geänderte Rahmenbedingungen anpassen zu müssen. Für Institutionen bedeutet es, sich zu öffnen und Zugangshindernisse zu beseitigen.“ (Miteinander leben. Perspektiven des deutschen Caritasverbandes zur Migration- und Integrationspolitik. Freiburg, 2008, S. 5.)

Laut diesen Definitionen wird deutlich, warum es einen langen Atem in der Arbeit mit Migranten benötigt, denn Integration ist als Prozess zu verstehen, der fortlaufend ist und dessen Ende nicht definiert werden kann.

Adrian Struch
Projektkoordinator „Werkstatt Integration“
Unterstützung und Begleitung von Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit

11 Feb 2019

Fülle an Projekten auf den Weg gebracht

Jochen Gebele seit 20 Jahren Geschäftsführer des Caritasverbands / Abschied in den Ruhestand steht Ende des Jahres an

Obwohl Caritas-Vorstandsvorsitzender Sigisbert Raithel eingangs darauf hinwies, dass seine Laudatio auf Jochen Gebele erst im Februar 1999 einsetze und somit das „wildbewegte“ des zu ehrenden auslasse, boten seine Worte eine solche Fülle von Aktivitäten und gelungenen Projekten, dass sie für zwei Berufsleben gereicht hätten …

Vollständiger Bericht aus dem Badischen Tagblatt als PDF