Migrationsberatung spart öffentliche Folgekosten

Thorsten Schmieder, Adrian Struch und Katharina Thomas (Caritasverband Baden-Baden e.V.) sowie Kai Whittaker (MdB)

Caritas wirbt beim Bundestagsabgeordneten Kai Whittaker für stärkere Förderung
(Foto: Thorsten Schmieder, Adrian Struch und Katharina Thomas (Caritasverband Baden-Baden e.V.) sowie Kai Whittaker (MdB))

Vom 28. September bis 2. Oktober finden bundesweit Aktionswochen für die staatlich geförderten Migrationsprogramme statt. Vorab empfing der Caritasverband Baden-Baden den CDU-Bundestagsabgeordneten Kai Whittaker im Stadtteilzentrum Briegelacker. Dabei forderte der Sozialverband im Vorfeld der Haushaltsberatungen für das Jahr 2027 eine sichere und auskömmliche Finanzierung der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) und verwies auf eine Studie, nach der jeder investierte Euro ein Vielfaches an Folgekosten spart.

„Sonst würden wir verhungern“

Ein Video mit Klientinnen und Klienten der Migrationsberatung vermittelte persönliche Eindrücke und zeigte die Bedeutung der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) auf. Eine junge Mutter aus Bosnien-Herzegowina erklärte darin, ohne Hilfe der Caritas würden sie und ihr Kind sonst verhungern. Ein Mann lobte, dass die MBE in Baden-Baden Menschen bei Problemen mit Passangelegenheiten sowie Unterlagen für das Jobcenter unterstütze und ihnen in schwierigen Situationen zur Seite stehe. Eine Frau aus Syrien zeigte sich ebenfalls dankbar für die erhaltene Unterstützung. Ein Ehepaar aus Indien nannte Termine bei der Ausländerbehörde und viele weitere Bereiche, bei denen ihnen geholfen wurde. Auch Menschen aus der Ukraine, Griechenland und dem Irak waren im Video zu sehen.

Mehr als 100 Zugewanderte und ihre Familien im ersten Halbjahr beraten

Aufenthaltsrechtliche Fragen seien die wichtigsten Themen in der Beratung, sagte Adrian Struch, Mitarbeiter der Migrationsberatung für Erwachsene im Stadtteilzentrum Briegelacker. Danach folgten Existenzsicherung und erst dann, wenn die grundlegenden Bedürfnisse gesichert seien, Sprachkurse und Arbeitsmarktintegration. Von Anfang des Jahres bis Mitte Juni seien 108 Fälle von der MBE des Caritasverbands Baden-Baden bearbeitet worden. „Die Arbeit wird nicht weniger“, sagte Struch. „Es wäre gut, wenn wir die Beratungsstelle auf 75 Prozent aufstocken könnten, um dem Bedarf in Baden-Baden besser gerecht zu werden“, appellierte er an den Bundestagsabgeordneten. „Häufig müssen wir Menschen vertrösten und können Termine erst nach mehrwöchiger Wartezeit anbieten.“

Bedarf an höherem Stellenumfang

„Die Finanzierung für die 50-Prozent-Stelle erfolgt über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Zusätzlich werden derzeit weitere 20 Prozent Stellenumfang durch die Redel Stiftung finanziert“, erläuterte Struch. „Da diese Finanzierung nicht dauerhaft gesichert ist, wäre eine Förderung von insgesamt 75 Prozent über das BAMF wünschenswert.“  Der Beratungszeitraum für die Menschen sei durch das BAMF auf drei Jahre festgelegt. „Das ist eine knappe Zeitspanne. Integration dauert im wirklichen Leben deutlich länger als drei Jahre.“

Analyse zeigt, dass sich Förderung wirtschaftlich rechnet

Struch verwies auf eine Analyse zum Social Return on Investment (SROI) aus dem Jahr 2025, die im Auftrag der Liga Baden-Württemberg durchgeführt wurde. Das Ergebnis: Mit einem Euro Bundesfinanzierung für die MBE können durchschnittlich 25 Euro an Folgekosten für die öffentliche Hand vermieden werden, etwa in den Bereichen Sozialverwaltung, Arbeitsmarktintegration und kommunale Daseinsvorsorge. Bereits in den ersten zwölf Monaten zeige sich eine deutliche Wirkung der Beratung. Bei längerer Begleitung könne sich der gesellschaftliche Nutzen sogar auf 35 Euro pro investiertem Euro erhöhen. Die Mittel für die MBE seien daher als gesellschaftliche Investition und nicht als reine Ausgabe zu betrachten.

Asylbewerberzahlen rückläufig

Kai Whittaker fragte, ob sich die rückläufigen Asylbewerberzahlen bereits bemerkbar machten. Struch erklärte, dass neu ankommende Menschen zunächst in Erstaufnahmeeinrichtungen betreut würden. Zwar gingen die Anfragen aus dieser Phase zurück, der Beratungsbedarf in der MBE bleibe jedoch weiterhin hoch.

„Wir müssen streichen“

Zum Abschluss sagte Whittaker: „Es wäre wichtig, sich auf Ergebnisse zu konzentrieren, was herauskommen soll und ob wir es erreichen. Oft geht es darum, was wir reingeben. Weil das Geld nicht locker sitzt, müssen wir streichen, und wir müssen es dort tun, wo es am wenigsten Schaden anrichtet.“ Thorsten Schmieder, Vorstand des Caritasverbands Baden-Baden, verwies auf den Austausch mit der Evangelischen Hochschule Nürnberg zum Thema Wirkungsorientierung. „In der MBE ist das Geld gut angelegt. Das ist unstrittig“, bekräftigte er.

Anliegen an den Bundestagsabgeordneten

Der Caritasverband Baden-Baden gab Kai Whittaker vier Wünsche mit auf den Weg:

  • Die Finanzierung der MBE im Bundeshaushalt sollte gesichert und verfestigt werden.
  • Der aktuelle Stellenumfang sollte von 50 Prozent auf 75 Prozent erhöht werden, um den Bedarf in Baden-Baden angemessen abdecken zu können.
  • Der Beratungszeitraum sollte auch für Menschen geöffnet werden, die bereits länger als drei Jahre in Deutschland leben.
  • Integration sollte als nachhaltige gesellschaftliche Investition betrachtet werden.

Text und Foto: Birgit Fritz – Caritasverband Baden-Baden e.V.