Nach 43 Jahren im Pflegeheim Vincentiushaus verabschiedet

Foto von links nach rechts: Martin Schröder, Thea Friedmann und Thorsten Schmieder

( Foto von links nach rechts: Martin Schröder, Thea Friedmann und Thorsten Schmieder)

Thea Friedmann hat als Hauswirtschaftsleitung die Einrichtung geprägt

„In dieser Zeit gab es Höhen und Tiefen, schöne Augenblicke und Momente, viele Wegbegleiter und ganz viele Erfahrungen, welche ich gerne in Erinnerung behalten werde“, sagte Thea Friedmann in ihrer Rede bei der offiziellen Verabschiedung in den Ruhestand.

Während der vergangenen 43 Jahre als Mitarbeiterin im Pflegeheim Vincentiushaus erlebte sie viele Veränderungen mit. Als sie 1983 anfing, war die Einrichtung noch in der Scheibenstraße und Träger war die Katholische Gesamtkirchengemeinde Baden-Baden. „Das Vincentiushaus war mein erster Arbeitgeber. Ich habe dort zuerst ein Praktikum gemacht, dann wurde ich als Beiköchin beschäftigt. Nach erfolgreichem Abschluss der Meisterschule 1986 wurde ich dann als Vertretung des Küchenleiters, Herr Zoller, eingestellt“, zählte sie einige Tage nach der Verabschiedungsfeier im Gespräch auf. „Die Zusammenarbeit mit ihm hat mich fachlich und persönlich sehr geprägt. Er hat mich sehr geprägt in meinem Arbeitsalltag. Ich habe mich sehr gefreut, dass er bei meiner Verabschiedung dabei war.“

Leitungsaufgaben seit 1999

Nachdem 1990 und 1994 ihre Söhne Timo und Tobias zur Welt kamen, war sie bis 1999 geringfügig im Vincentiushaus beschäftigt. Als dann im Bereich Wäscherei und Hausreinigung die Stelle der Hauwirtschaftsleitung frei wurde, übernahm Thea Friedmann diese. Etwa zwölf Mitarbeitende in der Hausreinigung und zwölf bis fünfzehn in der Wäscherei hatte sie unter sich. Fortan verantwortete sie auch Dienst- und Urlaubspläne sowie alles rund um die Hygiene des Alten- und Pflegeheims.

Es sollte alles immer schön sein in der Einrichtung. Sie kümmerte sich gerne um den jahreszeitlichen Hausschmuck. „Dieser wurde mit viel Liebe gestaltet in Form von Blumensträußen, Gestecken, Topfpflanzen und Bildern als Wanddekoration. Die jahreszeitliche Dekoration schafft eine wohnliche und vertraute Atmosphäre. Sie hilft den Bewohnern dabei, den Wechsel der Jahreszeiten wahrzunehmen und zeitlich einzuordnen“, sagte sie. „Auch die Organisation von jahreszeitlichen Festen und runden Geburtstagen gehörte zu meinen Aufgaben. Das habe ich immer sehr gerne gemacht.“

Aufregende Zeit

Nachdem die Landesheimbauverordnung aus dem Jahr 2009 für Pflegeheime künftig nur noch Einzelzimmer vorschrieb, war klar, dass es im Vincentiushaus eine Umstrukturierung geben musste. Ein Umbau oder ein Neubau an einem neuen Standort standen zur Debatte. 

Die Entscheidung fiel auf einen Neubau im Stadtviertel Cité. „Es war eine aufregende und herausfordernde Zeit, aber wir Leitungskräfte waren in die Planung und Konzeption miteingebunden. Wir durften mitentscheiden. Das war schön“, erinnert sie sich gerne. „Wir haben uns mit dem Architekten viele Häuser angeschaut, die das Wohngruppenkonzept schon umgesetzt hatten. Trotzdem waren wir in unserer Region eine der ersten Einrichtungen mit Wohngruppen.“

Neuer Standort, neue Strukturen

Im Jahr 2014 folgte der Umzug des Alten- und Pflegeheims in den modernen Neubau im Menton-Ring. „Wir sind innerhalb von zwei Tagen komplett mit 96 Bewohnerinnen und Bewohnern in den Neubau gezogen. Das waren keine Acht-Stunden-Tage. Da war ich abends schon platt“, erzählt sie.

Die Umstellung auf den Betrieb im Neubau war nicht einfach. „Am Anfang war das für alle eine sehr anstrengende Zeit, weil für jeden alles neu war. Man musste viel schulen und viel erklären, um die Mitarbeitenden in die Arbeit der Hausgemeinschaft einzuführen.“

Fortan gab es acht Wohngruppen mit je zwölf Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern. Für diese wurde von Alltagsbegleitern das Frühstück vorbereitet, Mittagessen gekocht, Kuchen am Nachmittag und Abendessen serviert. Das ist bis heute so. Auch die Wäsche wird nach wie vor in der Einrichtung gewaschen. Als Hauswirtschaftsleitung verantwortete Thea Friedmann die Organisation, Koordination und Qualität der hauswirtschaftlichen Abläufe im Vincentiushaus.

Ein offenes Ohr für die Menschen

„In den Wohngruppen steht insbesondere im Vordergrund, die Bewohner aktiv in den alltäglichen Ablauf einzubeziehen. Das bedeutet, die Bewohner sollen entsprechend ihren Fähigkeiten möglichst viele alltägliche Tätigkeiten selbst übernehmen oder sich daran beteiligen, zum Beispiel Gemüse schneiden, Tische decken, Wäsche zusammenlegen und Blumen gießen“, sagte sie.

„Für mich war auch wichtig, ein gutes Arbeitsverhältnis mit den Mitarbeitenden und ein offenes Ohr zu haben. Ob eine Dienstplanänderung oder Urlaubverschiebung oder ein persönliches Anliegen – ich habe immer versucht, das für den Mitarbeitenden zum Besten zu regeln“, meinte Thea Friedmann. Stressig wurde es vor allem dann, wenn gleich für mehrere erkrankte Beschäftigte Ersatz gefunden werden musste. „Aber die Hilfsbereitschaft im Team war sehr groß, das habe ich immer sehr geschätzt.“ Und wenn es mal schlechte Stimmung im Team gegeben hat, wollte sie das klären: „Ein gutes Arbeitsklima war mir immer wichtig“, sagte sie.

„Ich bin fröhlich“

Auch am neuen Standort organisierte sie die jahreszeitlichen Feste des Vincentiushauses wie Frühlingsfest, Erdbeerbowlefest, Cocktailparty, Flammkuchenfest, Oktoberfest und Eisfest. „Ich habe für die Feste gelebt. Ich bin fröhlich und feiere gerne“, erklärte sie. Dabei verwies sie auf ihr Team: „Schön gestalten, schön dekorieren und ein schönes Fest zu machen – dafür braucht man ein Team, mit dem man zusammenarbeitet und alles gut gelingt.“

Sie berichtet weiter: „An Weihnachten war die Hausbäckerei sehr wichtig. Wir haben jedes Jahr rund 2.500 Plätzchen gebacken. Ich backe sehr gerne und das habe ich mir nie nehmen lassen. Das haben wir schon im alten Haus gemacht.“

Caritasverband als neuer Träger des Vincentiushauses

Im Januar 2025 übernahm der Caritasverband Baden-Baden den Betrieb, die Katholische Gesamtkirchengemeinde blieb Eigentümerin der Immobilie. Bei der offiziellen Verabschiedung richtete auch die Führungsspitze Dankesworte an Thea Friedmann. „Danke für die Treue, die engagierte Arbeit, die Verlässlichkeit und die wertvolle, wenn auch kurze Zeit beim Caritasverband Baden-Baden, die Sie unserem Pflegeheim und den Menschen, die hier leben und arbeiten, geschenkt haben“, sagte Martin Schröder, Vorstand des Verbands.

Thorsten Schröder, Vorstandsvorsitzender des Caritasverbands Baden-Baden, ergänzte: „Ihr Einsatz, ihre Erfahrung und ihre menschliche Art haben unser Haus über viele Jahre bereichert und werden uns fehlen.“

In Erinnerung bleibt ihr auch der Abschiedsgottesdienst mit Pfarrer Michael Zimmer. „Der Gottesdienst mit Bewohnerinnen und Bewohnern war bewegend. Auch das war eine schöne Wertschätzung für mich.“

Es war ihr aber auch ein Anliegen, in ihrer Rede den Mitarbeitenden der verschiedenen Bereiche wertschätzende Worte zu hinterlassen und Danke zu sagen.

Noch fühlt es sich wie Urlaub an

Nach den ersten Tagen im Ruhestand sagte Thea Friedmann: „Ich bin bis zum letzten Tag gerne ins Geschäft gegangen. Der Abschied war mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“

Vermisst sie das Vincentiushaus bereits? „Noch fühlt es sich für mich wie Urlaub an. Aber die vielen Kontakte zu den Bewohnerinnen, Bewohnern und Mitarbeitenden sowie die regelmäßigen Besprechungen werden mir wahrscheinlich irgendwann fehlen.“ Sie freut sich nun auf mehr Zeit mit der Familie. „Ich habe einen Enkel Benno. Nun können mein Mann und ich Unternehmungen und all die Dinge, die während des Berufslebens manchmal zu kurz gekommen sind, freier planen.“

Text: Birgit Fritz – Caritasverband Baden-Baden e.V.

Foto: Christine Maier – Caritasverband Baden-Baden e.V.