Eine Auszubildende berichtet von der Arbeit in der ambulanten Pflege – Sozialstation hat offene Ausbildungsstellen
Immer mehr Menschen sind pflegebedürftig. Die meisten werden zuhause versorgt – laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2023 knapp 90 Prozent der Pflegebedürftigen. Dies zu meistern, verlangt den Angehörigen einiges ab. In einigen Belangen benötigen sie Unterstützung. Laut einer Umfrage des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA), die zum Tag der Pflege im Mai des vergangenen Jahres veröffentlicht wurden, nehmen fast die Hälfte der pflegenden Angehöri-gen Leistungen von ambulanten Pflegediensten in Anspruch. In Baden-Baden, dem Rebland bis nach Sandweier leistet die Sozialstation des Caritasverbandes Baden-Baden e.V. diese wichtige Arbeit bei fast 300 Seniorinnen und Senioren. Die Mitarbeitenden tragen dazu bei, dass die pflegebedürftigen Menschen so lange wie möglich im eigenen Zuhause leben können und dabei pflegerisch und medizinisch gut betreut sind.
Die Zahl der Pflegebedürftigen wird weiter steigen, besagen die Statistiken. Deshalb ist es umso wichtiger, Pflegefachkräfte auszubilden und junge Menschen auf den Beruf aufmerksam zu machen. „Bei der Sozialstation haben wir im noch neuen Jahr Ausbildungsstellen für die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft offen.“, sagt die Pflegedienstleitung der Sozialstation, Manuela Eichner, und hofft, noch passende Interessierte zu finden.
Das Ziel: Mit Menschen arbeiten und Gutes tun
Dass die Tätigkeit für junge Menschen erfüllend sein kann und Freude bringt, vermittelt Valeria Liubymova. Die 25-Jährige hat im vergangenen Jahr die Ausbildung zur Pflegefachkraft bei der Sozialstation Baden-Baden erfolgreich – sogar als Schulabschlussbeste – abgeschlossen. „Ich wollte mit Menschen arbeiten, etwas Gutes für die Allgemeinheit machen. Wusste aber nicht, welche Möglichkeiten es alles gibt“, berichtete sie von der Zeit, als sie 2021 mit dem Abitur in der Tasche von Portugal nach Deutschland kam. Eine Nachbarin erzählte ihr von der ambulanten Pflege, also der Pflege von Menschen in ihrem Zuhause. Sie machte einen Schnuppertag und begann eine Aushilfstätigkeit bei einem privaten Pflegedienst, machte einen Deutschkurs, um die Sprachkenntnisse zu verbessern. Alles mit dem Ziel, die Ausbildung zur Pflegefachkraft zu machen. Das klappte auch.
Gute Betreuung für ein gutes Gefühl
„Aber dann hatte ich keine Praxisanleitung erhalten. War auf mich alleine gestellt“, sagte sie. In der Berufsschule bekam sie mit, dass dies anders laufen sollte. „Alle anderen haben Fortschritte gemacht, weil sie gut angeleitet wurden.“ In Gesprächen mit einer Mitschülerin erhält sie einen sehr positiven Eindruck von der Sozialstation des Caritasverbands Baden-Baden e.V. und bewarb sich dort. Der Wechsel wird möglich. Bei der Sozialstation wurde sie gefördert und gefordert. Hier fühlte sie sich bestens aufgehoben.
Bei den Fahrten zu den pflegebedürftigen Menschen, den Kunden der Sozialstation, war sie in der Ausbildung immer mit einer Kollegin oder einem Kollegen unterwegs. „Ich bin immer mit einer Pflegefachkraft, die eine dreijährige Ausbildung abgeschlossen hat, gefahren oder mit meiner Praxisanleiterin. Mir wurde viel erklärt. Im dritten Lehrjahr durfte ich schon viel selbstständig machen.“ Im Team waren alle sehr hilfsbereit, sie konnte alle jederzeit ansprechen und es wurde bei der Planung der Arbeits- und Urlaubstage auch die Belange der Mitarbeitenden berücksichtigt.
Früher Arbeitsbeginn
Die Arbeit bei der Sozialstation beginnt zeitig: Um etwa 6.15 Uhr geht’s in der Cité am Sitz der Sozialstation los mit der Tour. „In der Regel machen unsere Azubis keinen Spätdienst. Im Frühdienst gibt es mehr Lerninhalte. Medikamente richten, Wundverbände und Kompressionsverbände machen, das läuft alles im Frühdienst“, sagt Praxisanleiterin Angelika Reith. Zur Arbeit zählen nicht nur diese Tätigkeiten, sondern auch Medikamentenabsprachen mit Ärzten oder die Dokumentation des Pflegeprozesses. Das erfolgt digital am Tablet. Darüber hinaus dokumentieren Ausbildende bei der Sozialstation ihre Lernfortschritte und bekommen Aufgaben zu Erkrankungen, um sich noch mehr Wissen anzueignen.
Eine breite Ausbildung mit vielen Möglichkeiten
Seit dem Jahr 2020 werden in der dreijährigen Ausbildung sogenannte generalistische Pflegefachkräfte ausgebildet. Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sind seither in dem Berufsbild „Pflegefachkraft“ vereint. Die Ausbildung gliedert sich wie folgt: Im ersten und dritten Ausbildungsjahr sind die Azubis bei der Sozialstation in der ambulanten Pflege tätig. Im zweiten Ausbildungsjahr gibt es Pflichtstationen in anderen Einrichtungen – stationäre Pflege, Akutpflege im Krankenhaus, gerontopsychiatrische Versorgung, Pädiatrie, also in der Kinderkrankenpflege, und eine Wahlstation.
„Wir können nach der Ausbildung in ganz verschiedenen Einrichtungen arbeiten“, sagt Valeria Liubymova in Bezug auf die diversen Einblicke, die Auszubildende zur Pflegefachkraft erhalten. Sie hatte neben den Pflichtstationen noch die Intensivstation im Krankenhaus gewählt. Eine weitere Erkenntnis haben ihr die verschiedenen Einsatzbereiche im zweiten Lehrjahr gebracht: „Die ambulante Pflege gefällt mir besser als die stationäre Pflege. Bei meiner Arbeit lerne ich die pflegebedürftigen Menschen in ihrem Zuhause kennen und bekomme verschiedene Eindrücke.“ Man sei viel im Auto unterwegs, arbeite eigenständiger und habe mehr Freiheit, meint sie.
Sozialstation mit breitem Aufgabenfeld
Die Sozialstation des Caritasverbandes Baden-Baden bietet einen breites Leistungsangebot. Auch davon profitieren die Auszubildenden zur Pflegefachkraft. „Sie erhalten Einblicke in die Wohngemeinschaft für Demenz-Erkrankte, die hier im Haus ist und von uns medizinisch und pflegerisch versorgt wird“, sagt Praxisanleiterin Angelika Reith. Ebenso seien die Geronto-Station und die Wundversorgung durch spezielle ausgebildete Fachkräfte Teil der Ausbildung. Obendrein bekommen die Azubis Einblicke in Pflegeberatungen sowie die ambulante Palliativbetreuung, die Menschen auf dem letzten Weg begleitet.
Herausforderungen und schöne Momente
Der Umgang mit pflegebedürftigen Menschen oder die Einblicke in die Palliativbetreuung bringen auch Herausforderungen mit sich. „Ich war in der Ausbildung ein paar Mal mit unserer Palliativschwester unterwegs. Das ist für mich noch keine Routine“, sagt Valeria Liubymova. Bei ihrer täglichen Arbeit in der ambulanten Pflege kämen Unterzucker oder zu hoher Blutdruck öfter vor, aber wirkliche Notfälle zum Glück nur selten.
„Da Deutsch nicht meine Muttersprache ist, ich in Moldawien und Portugal gelebt habe, sind der badische Dialekt und Gewohnheiten von manchen Menschen und älteren Menschen nicht immer einfach zu verstehen“, gibt sie andere Schwierigkeiten zu bedenken. Aber die schönen Erfahrungen überwiegen. Sie berichtete von der Anteilnahme eines Seniors im Rebland. Die Prüfungen zum Ausbildungsende seien wichtig und er habe das in Gesprächen mitbekommen. „Er hatte mich gefragt, ob er für meine praktische Prüfung die Pflegeperson sein könne.“ Als die junge Frau davon erzählte, lächelt sie. Und auch Ehepaare, die schon mehr als 70 Jahre verheiratet seien, beindruckten die junge Frau. Ihr Fazit: „Es war sehr schön bei der Sozialstation und ich bereue es nicht, dass ich dahin gewechselt habe.“
Für den Ausbildungsbeginn 1. August 2026 bewerben
Interessenten für die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft können sich gerne bei Fragen bei der Sozialstation Baden-Baden melden oder sich direkt online bewerben. Voraussetzung ist ein mittlerer Bildungsabschluss oder eine Ausbildung. Infos unter: /alter-und-pflege/#sozialstation
Über die Sozialstation
Die Caritas Sozialstation Baden-Baden erbringt seit 50 Jahren Pflegeleistungen, aber auch zahl-reiche Beratungs-, Betreuungs- und Entlastungsangebote für Kunden und Kundinnen sowie de-ren Angehörige. Diese reichen von kurzzeitiger Hilfe bis hin zur dauerhaften Unterstützung. Die Sozialstation ist Teil des Caritasverbands Baden-Baden e.V.
Weitere Informationen /alter-und-pflege/
Foto und Text: Birgit Fritz – Caritasverband Baden-Baden e.V.
