Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Lucky, oder Lucy, oder Bello oder Schwarzer. Eigentlich nennt mich fast jeder anders, aber das spielt für mich keine Rolle. Ich bin ein Flat Coated Retriever, männlich und im besten Alter von 6 Jahren. Zu meinen Wesenszügen gehört, dass ich elegant, zutraulich und lebenslustig bin. Von Beruf bin ich Begleithund, Zuhörer, Seelentröster und Herzensbrecher, also eigentlich ein Naturtalent. Meine Menschin nennt mich ihr „Herz auf vier Pfoten“. Mein Familienstand: die treueste Seele meiner Menschin, die für die Altenhilfe berufen ist. Meine Menschin und ich haben das Glück, täglich gemeinsam zur Arbeit gehen zu dürfen. Mir ist das recht, weil ich nicht gerne alleine bin und meine Menschin sagt, ich sei einer der wichtigsten Mitarbeiter. Ich bekomme zwar keinen Lohnzettel, aber ich brauche zu meinem Hundeglück nicht viel. Stets gut gelaunt, immer einsatzbereit und aufmerksam, bin ich also täglich bei den Senioren im Dienst.

Morgens – vor der Arbeit – lässt mir mein Frauchen erst einmal ordentlich die Luft heraus. Ich springe zigmal dem Ball hinterher. Das macht mir sehr viel Spaß und so kann ich mich dann auch erstmal ausruhen, wenn ich alle begrüßt habe. Zunächst ist sowieso nicht viel los. Die Fahrer holen alle Gäste erst ab, nachdem sie mich kräftig durchgekrault haben. Dienstags ist mein Lieblingstag. Die Leute, die da kommen, überschlagen sich fast vor Freude. Ich höre schon am Geräusch des Gehstockes, wer kommt. „Wo ist denn mein Schatz“, ruft dann jemand und ich begleite die Dame gerne zum Frühstückstisch. Dort sitze ich dann ganz brav neben ihr. Eigentlich bin ich so groß, dass ich an die Tischkante komme, aber ich habe weniger Ärger, wenn ich anständig daneben sitze. Heute sind ganz viele Leute da, die früher auch Hunde hatten und wenn dann Frau Schneider noch zur Gymnastik kommt, haben wir alle einen Riesenspaß.
Dann ruhe ich mich erst einmal wieder aus. Was ein Hundeleben: schlafen, fressen, schwanzwedeln.
Was meiner Hundenase besonders zuträglich ist, sind die Düfte. Es wird täglich frisch gekocht und immer wieder schleiche ich mich davon, um vor der Küchentür zu hoffen. Leider gibt es eine unsichtbare Grenze, die ich nicht überschreiten darf, sonst gibt es Ärger.
Aber ich Schlauberger weiß sehr wohl, dass anständiges Warten mich weiterbringen könnte.
Kurz nach 12 Uhr, wenn alle gegessen haben, mache ich dann den Boden sauber. Man hilft ja gerne.
Was ich nicht mag ist, wenn die Menschen traurig sind. Dann lege ich schon mal meinen Kopf auf ihren Schoß und warte, bis ich gestreichelt werde.
Im Sommer darf ich dann wieder mit hinaus in den großen Garten. Wenn die Leute Kegeln oder Ball spielen, bin ich natürlich auch dabei. Schön, dass ich mich danach im Teich abkühlen kann. Dabei lachen mich dann zwar alle aus, aber das stört mich nicht. Hauptsache die Menschen haben Freude.
Ab und zu fahre ich mit meiner Menschin in die Cité. Dort wohnen 12 Menschen, die alleine nicht mehr zurechtkommen, weil sie immer mal wieder etwas vergessen. Hier spricht man dementisch, aber ich verstehe diese Sprache gut und auch die Mitarbeiter verstehen jedes Wort. Einer der Bewohner nennt mich Lucy. Nicht, dass ich das persönlich nähme. Er weiß nicht, dass er mich verwechselt. Das war eine Hundedame, die mit ihrer Menschin hier gewohnt hat. Das wünsche ich mir auch mal, wenn mein Frauchen alt wird; dass wir immer zusammenbleiben können.
Wenn ich hier bin, besuche ich immer Reiner (Name geändert). Er hatte selber immer Hunde und kennt sich besonders gut aus. Bei ihm bekomme ich dann auch immer ein Leckerchen und meine Menschin kann mich auch mal hierlassen, weil es ihm und mir sehr gut tut, wenn er meinen Bauch krault.
Hier wohnt auch eine sehr schöne Frau. Sie kann nicht mehr sprechen, aber, wenn ich sie freudig begrüße, lächelt sie und ist ganz entspannt.

Ich spüre, dass ich hier sehr viel bedeute und ich eigne mich auch gut, weil ich gerne lerne und meinem Rudel gefallen will. Nachmittags bleibe ich zu Hause, weil Stillsitzen, Ball holen oder Gestreichelt-Werden auch anstrengende Aufgaben sind.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an all die Menschen, die es mir so leicht machen, Freude zu bereiten und Gutes zu tun!

Euer

Lucky

Flat Coated Lucky