Was schreibt man auf der ersten Seite der Homepage des Caritasverbandes für die Stadt Baden-Baden e.V.? Diese Frage habe ich mir gestellt, seit dem ich weiß, dass ich hierfür zum ersten Mal ein Leitwort verfassen darf.

Welches sind die wichtigen Themen: Sozialpolitische Entscheidungen? Das liebe Geld? Der Umgang miteinander? Gott und die Welt?

Ich habe mich dazu entschlossen, diesen exponierten Platz denen zu überlassen, um die es uns in unserer täglichen Arbeit geht – den betroffenen Menschen:

„Betroffenen – Initiative“, ein komisch klingendes Wort für Menschen die mit so etwas noch nichts zu tun hatten. Schon allein die Kombination der beiden Wörter mag so manchen etwas verwirren. Betroffen und Initiative passen doch nicht zusammen, mögen einige denken.

Manche sind nun mal der Meinung „Betroffene“ sollen doch gar keine Initiative ergreifen. Sie bekommen doch Hartz IV, Grundsicherung, ihre Miete gezahlt usw. Das sollte und muss ihnen doch reichen. Was beschweren sie sich? Ihnen geht´s doch gut in unserem Sozialstaat. Was fällt ihnen denn ein aufzubegehren und „Initiative“ zu ergreifen um auf ihre Belange und Nöte aufmerksam zu machen. Sind die denn von allen guten Geistern verlassen? Sie sollen doch still sein und sich am besten nicht sehen lassen, außer vielleicht in einer Talkshow, möglichst dem Klischee entsprechend, um die Stimmung noch mehr anzuheizen.

Viele sind abgestumpft durch ihren Alltag, wo sie oft genug ums eigene Überleben kämpfen und gar nicht merken, dass sie vielleicht selbst schon „betroffen“ sind oder gerade langsam aber sicher dahin abgleiten. Oft reicht dann eine Kleinigkeit aus, dass die „Heile Welt“, in der man bisher lebte, einstürzt.

Die Betroffenen ergreifen die Initiative weil sie nicht mehr nur dasitzen wollen und alles über sich ergehen zu lassen. Dem ganzen ein Gesicht und Namen geben. Oft genug sind Betroffene resigniert und haben kapituliert, um für ihre Belange einzutreten. Dazu fehlt die nötige Kraft und Energie dies selbst zu tun. Das Kapital dieser Menschen, ob geistiges Potenzial oder handwerkliches Geschick, darf nicht einfach weggeworfen oder vergessen werden. Dazu ist unsere Gesellschaft gar nicht berechtigt, geschweige denn kann sie es sich noch leisten.

Betroffene haben sich zu einer Betroffeneninitiative zusammengeschlossen um gemeinsame Ziele zu erreichen. Die Initiative möchte Betroffenen ein Gesicht und Stimme verleihen, nicht nur um zu meckern was alles schief läuft sondern auch um konstruktive Lösungen anzubieten. Dazu reicht die Betroffeneninitiative den Verantwortlichen, Interessierten, Betroffenen, die Hand, um sich auf Augenhöhe zu begegnen, zu diskutieren und sich auszutauschen. Dies bietet die Chance ein Netzwerk über alle Grenzen hinweg aufzubauen. Aber auch Misstrauen, Ängste und Vorurteile könnten so abgebaut werden um ein besseres gegenseitiges Miteinander zu ermöglichen.

Die BI möchte auch Betroffene aus ihrer Lethargie herausholen und sagen: „Du bist wer mit Fähigkeiten. Dich brauchen wir“. Zu oft haben sie anderes gehört oder man hat es ihnen in anderer Weise gezeigt.

Ja! Es ist nicht leicht etwas völlig Neues zu machen. Dahinter wartet nämlich das große Unbekannte, wo keiner weiß was zu erwarten ist. Doch ist es interessant dieses Neuland zu betreten.

Lasst uns zusammen gehen!

Ihr

Marcus Galla
Betroffenen-Initiative Baden-Baden

Christian Frisch
Fachbereichsleiter Wohnungslosenhilfe