Eine Wahlberechtigung zu haben heißt noch lange nicht, dass sich diese auch einfach wahrnehmen lässt. Agnes Lemcke vom Stadtteilzentrum Briegelacker des Caritasverbands Baden-Baden kennt aufgrund ihrer langjährigen Berufserfahrung diese Hürde nur allzu gut und sorgte gemeinsam mit ihrem Kollegen Adrian Struch dafür, dass am Montagabend mit einer Art Public Viewing zumindest ein kleiner Hemmschuh bezüglich der Informationsmöglichkeiten minimiert wurde.

Wer hier im Einzugsgebiet lebt, hat oftmals nur erschwert oder gar keinen Zugang zu digitalen Medien. Zuweilen sind es auch sprachliche Barrieren, die den Informationsfluss blockieren. Doch die Wahl eines Stadtoberhaupts wird auch hier sehr hoch eingeschätzt, so war immer wieder zu hören.

„Wir hatten uns deshalb entschlossen eine Möglichkeit zu schaffen, die formelle Präsentation der Kandidaten gemeinsam anzuschauen.“
Der große Saal im Stadtteilzentrum wurde zu diesem Zweck eigens mit corona-konform auseinandergerückten Stühlen und einer großen Leinwand bestückt. Auch eine Dolmetscherin wurde organisiert, da Wahl-Reden oft schnell gehalten werden und mit vielen Fremdworten bestückt sind.

„Viele unserer Besucher*innen haben die Möglichkeit nicht, sich diese Veranstaltung zuhause anzuschauen.“ Auch den Weg ins Kurhaus würden sie wohl eher scheuen.
So fand sich am Montagabend im Stadtteilzentrum bei weit geöffneten Fenstern eine kleine interessierte Gruppe ein, ebenso eine Reihe von Fachbereichsleitern, um gemeinsam die Online-Veranstaltung mitzuverfolgen. Konzentriertes und zugleich gespanntes Schweigen herrschte dabei bis zum Schluss. Ob und in welcher Weise die Anwesenden nun ihr Wahlrecht ausüben werden – das müssen sie nun letztlich selbst, jeder für sich im stillen Kämmerlein entscheiden.