In Baden-Baden sind seit 2015 weit über 1000 geflüchtete Menschen, aus den unterschiedlichsten Fluchtgründen angekommen. Auf Grund verschiedener internationaler Übereinkünfte, kommen derzeit nur noch wenig „neue“ Flüchtlinge in Deutschland und somit auch bei uns in Baden-Baden an.

War in den Jahren 2015 bis 2016 eine hohe Bereitschaft in der Gesamtbevölkerung vorhanden, diese Menschen ehrenamtlich durch Begrüßungscafés, Sprachkurse, Patenschaften und vielem mehr zu unterstützen, so stagniert seit 2017 die Zahl der ehrenamtlichen Helfer. Seit Ende 2017 ist diese sogar rückläufig, auch wenn viele Ehrenamtliche der ersten Stunden einen langen Atem beweisen und weiterhin aktiv sind. Doch gerade in der jetzigen Zeit, nachdem Menschen in Anschlussunterkünften untergebracht und entsprechende Grundbedürfnisse versorgt sind, „beginnt“ die eigentliche Arbeit – die Integration in unserer Gesellschaft.

Als ich vor kurzem ein Beratungsgespräch mit einer Ehrenamtlichen führte, stellte Sie mir die Frage, was denn eigentlich Integration genau bedeutet? Versetzen Sie sich einmal in meine Situation, wie würden Sie Integration erklären?

Natürlich konnte auch ich, ihr die hierzu übliche Erklärung – Wohnraum, Sprache, Ausbildung/ Arbeit, Vereinsmitgliedschaft, … – liefern, dennoch beschäftigte mich die Frage weiter, was mir Anlass gab, mich mit der Begriffsbestimmung von Integration genauer zu beschäftigen.

Laut „Fact Sheet Begriffsklärung Integration und Inklusion“ des deutschen Caritasverbandes geht es um die Frage des Zugangs zu und der Teilhabe an den gesellschaftlichen Teilsystemen wie Bildung, Beruf, Wohnen, Gesundheit, etc …

„Die Katholische Kirche in Deutschland und ihre Caritas meinen mit Integration wechselseitige und vielschichtige Prozesse, die sich in der Gesellschaft und zwischen ihren einzelnen Angehörigen abspielen und sie verändern. Jeder Beteiligte akzeptiert, zu einem Teil des Ganzen zu werden und verpflichtet sich dazu, die Würde und Integrität des anderen zu respektieren. Bei der Integration geht es nicht darum, Menschen in etwas Bestehendes und Statisches einzugliedern oder sie daran anzugleichen. Es geht vielmehr darum, Teilhabechancen zu gewährleisten und die Gesellschaft gemeinsam zu gestalten. Hauptakteure in diesen Prozessen sind die Menschen selbst. Dieser Prozess wird durch vielerlei private Initiativen, Organisationen und staatliche Institutionen gefördert. Aus ihrem Selbstverständnis heraus engagiert sich die Katholische Kirche und ihre Caritas stark für die Integration. Integrationsprozesse finden in unterschiedlichen Lebensbereichen statt und hängen von gesellschaftlichen Bedingungen sowie vorherrschenden Handlungs- und Denkmustern ab. Dies fordert von den jeweiligen Akteuren unterschiedliche Anstrengungen. Für Einzelne – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – kann das bedeuten, Einstellungen und Verhalten an geänderte Rahmenbedingungen anpassen zu müssen. Für Institutionen bedeutet es, sich zu öffnen und Zugangshindernisse zu beseitigen.“ (Miteinander leben. Perspektiven des deutschen Caritasverbandes zur Migration- und Integrationspolitik. Freiburg, 2008, S. 5.)

Laut diesen Definitionen wird deutlich, warum es einen langen Atem in der Arbeit mit Migranten benötigt, denn Integration ist als Prozess zu verstehen, der fortlaufend ist und dessen Ende nicht definiert werden kann.

Adrian Struch
Projektkoordinator „Werkstatt Integration“
Unterstützung und Begleitung von Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit