Lebenswert- was verbirgt sich dahinter? Woran misst sich der Wert des Lebens und wer bestimmt was den Wert des Lebens ausmacht?

Kennen Sie Menschen, die an Demenz erkrankt sind – oder deren Angehörige? Reden Sie mit Ihnen? Oder scheuen Sie den Kontakt, weil Sie mit Demenz Trauer und Verlust verbinden und damit nicht konfrontiert werden wollen?

Oder sind Sie betroffener Angehöriger? Nehmen Sie mit Ihrem demenziell erkrankten Vater oder Ihrer demenziell erkrankten Ehefrau am gesellschaftlichen Leben teil?

Alt, vergesslich, langsam, müde, hilfsbedürftig, aggressiv, zu nichts mehr zu gebrauchen, ungeschickt. Es lässt sich beliebig ausweiten! Aber die Betroffenen geben Ihre Menschenwürde nicht mit dem Beginn ihrer Erkrankung ab!

Es sind die Begegnungen mit Menschen die das Leben lebenswert machen! Dieses Zitat hängt seit einiger Zeit in unserer Einrichtung.

Die Bedürfnisse der Betroffenen verändern sich natürlich und gerade deshalb haben sie ein Recht darauf, das Leben auch im Alter und mit dieser Erkrankung noch als bereichernd und Lebenswert zu empfinden.

Essen und Trinken machen das Leben lebenswert. In guter Atmosphäre Nahrung zu sich zu nehmen die liebevoll zubereitet ist und fürsorglich und geduldig gegeben wird.

Menschliche Wärme macht das Leben lebenswert. Behutsamen Körperkontakt oder eine liebevolle Umarmung, mit den Menschen in Beziehung treten und sie wertzuschätzen.

Gehen und Bewegen machen das Leben lebenswert. Still sitzen und ruhiggestellt sein ist eine Qual. Tanzen und Spazieren gehen, Blumen und Bäume Wind, Sonne und Regen sind ein Genuss.

Freude und Humor machen das Leben lebenswert. Ein freundliches Lächeln, ein „schön dass Sie da sind“, Musik und Singen, über Missgeschicke lachen dürfen.

Teilhabe macht das Leben lebenswert. Gemeinschaft und Anerkennung, soziale Aktivitäten und Feste geben Halt. Das erinnern an frühere Erlebnisse fördern Lebendigkeit.

Ob ein Leben mit Demenz lebenswert ist, hängt entscheidend davon ab, wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Mit unserer Themenwoche im Mai wollen wir Aufmerksamkeit erregen, wachrütteln und Stellung nehmen. Wir wollen auffordern hinzuschauen und mitzugehen, Kontakt aufzunehmen, Beziehungen einzugehen. Noch immer werden Menschen mit einer Demenz ausgegrenzt .Die Rede ist von einer verloren gegangenen Persönlichkeit. Vor diesem Hintergrund ist ein Perspektivenwechsel notwendig: Menschen mit Demenz sind „Experten“ in eigener Sache. Es geht darum, sie dort zu unterstützen, wo es notwendig ist, ihnen zuzuhören und gemeinsam mit ihnen zu handeln anstatt für sie. Denn mittendrin pulsiert das Leben. Das dürfen alle spüren – die von Demenz Betroffenen und die Menschen, die sie betreuen.

Nur wenn es uns gelingt die „Lebensphase Demenz“ aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, kann auch der LEBENSWERT wieder gesehen werden.

Die vielseitigen Veranstaltungen im Rahmen unserer Themenwoche sollen dazu genutzt werden Erfahrungen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und sich über Hilfsangebote zu informieren.
Aber das soll nicht nur eine punktuelle, einmalige Aktion bleiben.

Mit ganzem Herzen und unserer professionellen Begleitung setzen wir uns dafür ein, dass das Leben mit Demenz in unserer Gesellschaft, in unserer Stadt, dauerhaft lebenswert bleibt.

Und so wünsche ich Ihnen in den kommenden Wochen schöne und wohltuende Begegnungen mit Menschen, die Ihr Leben lebenswert machen!

Ihre
Manuela Lang
Fachbereichsleitung Altenhilfe