Manchmal können die, die einem am nächsten stehen, am wenigsten helfen. Lange Zeit ohne Beruf zu sein ist für viele unvorstellbar, doch leider in unserer Gesellschaft zur gewohnten Realität geworden. Der Wunsch, sich durch eine Arbeit verwirklichen zu können, bleibt vielen Langzeitarbeitslosen oft verwehrt.

Die Gründe, warum man sich irgendwann in einer solchen Situation wiederfindet, sind von jeder Natur. Jedoch nicht selten rutscht man unverschuldet in die Arbeitslosigkeit. Langzeitarbeitslosigkeit wird oft begleitet von dem Gefühl der eigenen Nutzlosigkeit und Unzulänglichkeit. Frustration und Unzufriedenheit machen sich langsam, aber sicher, breit. Die Ablehnung, die man dabei zu allem Übel noch durch seine Umwelt erfährt, leistet ebenfalls ihren Beitrag in die falsche Richtung. Schwächen werden nicht selten über Stärken gestellt und bestimmen somit den vermeintlichen Wert eines Menschen in der Gesellschaft.

Es erfordert viel innere Stärke und Ausdauer, sich gegen die Vorurteile zu stellen, die eine Langzeitarbeitslosigkeit mit sich bringt. Bedauern, Mitleid oder sogar Distanz ist hierbei eher fehl am Platz. Beistand und tatkräftige Unterstützung ist das, was benötigt wird. Aufgrund diverser Projekte des Caritasverbandes Baden-Baden können Langzeitarbeitsarbeitslose wieder mehr Hoffnung schöpfen.

Auch ich bekam durch meine ehrenamtliche Tätigkeit als Bewerbungs-Coach und Patin Bilder und Eindrücke vermittelt, die so gar nicht mit den gängigen Vorurteilen zusammenpassen wollten. Motivation und die Bereitschaft etwas zu ändern begegneten mir häufiger als sich so manch einer hätte vorstellen können. Dass die Ausgangssituationen der Projektteilnehmer mitunter nicht die leichtesten waren, stand plötzlich gar nicht mehr so im Fokus. Mittelpunkt wurde der Mensch selbst. Sowohl ich, in meiner Rolle als Mentor, als auch die Teilnehmer in ihrer Position als „Wollende“. Sie wollten alle arbeiten, einen geregelten Tagesablauf haben, ein eigenes Einkommen erhalten, mit dem es sich leben lässt. Kurz: Sie wollten!

Natürlich steht die Integration auf den allgemeinen Arbeitsmarkt an erster Stelle und legt somit den Grundstein in eine aussichtsreichere Arbeits-Zukunft.
Doch ohne das menschliche Zutun, helfen die besten Kurse, Projekte und Seminare nichts. Miteinander das Problem anpacken ist nicht nur die Suche nach Jobs und das Schreiben von Bewerbungen, sondern beinhaltet auch zuhören und diskutieren. Die Chance sich selbst zu finden ist auf beiden Seiten gleichermaßen gegeben. Man lernt viel über sich selbst. Dinge, die man nie richtig wahrgenommen hat, Eigenschaften, die nie groß zum Vorschein kamen, aber dennoch vorhanden sind.

Man macht sich wieder bewusst, dass jeder Mensch ein Individuum ist. In unserer schnelllebigen Zeit vergisst man das häufig. Klischees und Schachteldenken prägt unsere Wahrnehmung leider viel zu oft. Wir lehnen einen Menschen ab, weil wir nur eine bestimmte Information über ihn haben. Das große Ganze wird vernachlässigt. Wir verurteilen oft schon aufgrund Geringfügigkeiten. Wer schon mal am eigenen Leib erfahren hat, dass er nur wegen eines bestimmten Makels abgelehnt oder zurückgewiesen wurde, weiß wie ungerecht sich das anfühlt. Es wurde ungerechtfertigt und mit unzureichender Information über einen gerichtet.

Lehrt uns die Bibel nicht, dass wir nicht über andere richten sollen, auf dass wir nicht gerichtet werden?! Jeder, der schon in einer solchen Situation war hat sich bestimmt nicht selten gewünscht, ein JA von seinem Gegenüber zu hören.

Auch wer das Glück hatte, noch nie Ablehnung erfahren zu müssen, sollte immer ein großes JA in seiner Hosentasche herumtragen. Man weiß nie, wann es zum Einsatz kommt und dann ist es gut, es bei sich zu haben.

Jeder kann ein JA gebrauchen. Jeder braucht jemanden, der JA zu einem sagt!

Ihre
Edith Follmer
Ehrenamtliche im Projekt Jobperspektive
Fachbereich Offene Dienste