Not sehen und handeln.
Sticky
26 Nov 2018

Leitwort November 2018

Wenn der Datenschutz Hilfe verhindert

Ich arbeite seit über 20 Jahren in der Wohnungslosenhilfe. In diesem Arbeitsfeld ist es ganz besonders wichtig unbürokratisch und schnell Hilfe zu leisten. In der Fachsprache heißt das „niederschwellig“.

Bei uns werden wohnungslose Menschen sofort aufgenommen, bekommen etwas zum Essen, eine Möglichkeit zum Duschen, Wäsche zu waschen, schlafen. Weiterführende Hilfen werden besprochen, beantragt und teilweise sofort entschieden (manchmal nach telefonischer Rücksprache mit dem entsprechenden Amt).

So hat sich das System bewährt und knüpft unmittelbar an den Bedarfen der Menschen an.

Selbstverständlich halten wir uns als Caritasverband an den Datenschutz. Allerdings ist es wirklich schwierig nach den Richtlinien des Datenschutzes die Hilfe für Wohnungslose in der jetzigen (und meiner Meinung nach auch richtigen) Form aufrecht zu halten.

Beispiele gefällig:
Wenn wir im Team über die Bewohner sprechen, brauchen wir vorher die Genehmigung dazu. Im Protokoll dürfen auch keine vollständig ausgeschriebenen Namen stehen. Wissen Sie wie schwierig es geworden ist unser eigenes Protokoll zu lesen? Wissen Sie wie aufwändig es ist von jedem Bewohner die entsprechende Genehmigung zu erhalten? Was machen wir mit psychisch kranken Menschen die nichts, aber auch gar nichts unterschreiben, aber auch nicht ins Hilfesystem für Menschen mit psychischen Problemen gehen?

Die Daten jedes Wohnungslosen müssen wir „wenn der Fall abgeschlossen ist“ löschen. Aber wann ist der „Fall abgeschlossen“? Wenn er weitergezogen ist? Möglicherweise kommt er in ein paar Wochen wieder – so wie es häufig der Fall ist. Vielleicht aber auch nicht. Menschen die jeden Monat vorbei kommen, müssen dann die immer gleichen Fragen immer wieder und wieder beantworten. Laut einem Juristen dürfte ich die Daten nicht mal aufbewahren, wenn der Wohnungslose mich darum bittet, was ich nicht glauben kann.

Es ist jetzt ein paar Wochen her, da ist ein Mann zu uns gekommen, der auf jede Frage die ich ihm stellte geantwortet hat: „ich bin bereits tot“. Mehr Antworten gab es nicht. Sie können mir glauben: es ist in unserem Sozialstaat wirklich schwierig unter Einhaltung des Datenschutzes in einem solchen Fall Hilfe zu leisten. Letztendlich habe ich mich an die Polizei gewandt. Er wurde u.a. deshalb gesucht, weil er eine ansteckende Krankheit hatte. Eine Meldung aller neu ankommenden Menschen an die Polizei, so wie es früher erfolgte, ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich. Schließlich ist er verschwunden.

Vor kurzem wollte ich Filmausschnitte einer von ART BANKETT und uns durchgeführten Veranstaltung, eine Poetry Slam Show, im Rahmen der Aktionswoche „ARMUT BEDROHT ALLE“ als Leitwort auf die Caritashomepage nehmen. Die Rückmeldung aus der EDV war: Haben wir die Einverständniserklärung der Künstler (soweit war mir das auch klar und ich war dran) und DES PUBLIKUMS? Hallo!? Des Publikums? Soll ich jeden Menschen der in eine öffentliche Veranstaltung geht an der Kasse fragen und unterschreiben lassen? Ist das im Fernsehen mittlerweile auch so (ich war schon lange nicht mehr in einer TV Show)? Ich habe es dann komplett gelassen.

Als ich dann eine E-Mail eines Geschäftspartners bekommen habe, in der ich ein Passwort bekomme, für eine weitere Mail und diese Mail mit dem Passwort öffnete in der stand, dass er sich auf unseren gemeinsamen Termin freue, da wurde mir klar: einfacher wird es in Zukunft sicherlich nicht unbürokratische Hilfe leisten zu können.

Ich wünsche ihnen Allen, liebe unbekannte Leser, eine schöne Adventszeit und schon jetzt: besinnliche Weihnachten!

C.F. aus B.-B.
Fachber. WLH

12 Sep 2018

Leitwort September 2018

Der Sozialpsychiatrische Dienst (SpDi) des Caritasverbandes Baden-Badene.V.
– die Sicht eines betroffenen Ratsuchenden

Ich wurde seitens des Caritasverbandes gefragt, ob ich das nächste Leitwort schreiben wolle. Ich stellte mir die Frage, was der SpDi eigentlich für Betroffene bedeutet, und zwar in Krisenzeiten, in stabilen und instabilen Phasen. Und wie können sie davon profitieren, objektiv bzw. subjektiv.

1996 trat ich das erste Mal in Kontakt mit dem Caritasverband, wobei ich ein Psychose-Seminar als Teilnehmer und als Mitarbeiter der Werkstatt der Lebenshilfe begleitete. Ich war schon damals von der Arbeit dieser Leute beeindruckt. Ich selbst bin seit 1981 immer wieder an Psychosen und Depressionen erkrankt – also chronisch psychisch krank. Meine vorherigen Erfahrungen mit Kliniken, Ärzten, Ämtern und Einrichtungen kann man nicht als durchgängig positiv bezeichnen.

Etwa zwei Jahre später nahm ich das erste Mal die Dienste des SpDi in Anspruch, indem ich zur Beratung ging, und danach immer wieder einmal. Seit ein paar Jahren habe ich ein monatliches Begleitgespräch über mich, meine Situation und mein Umfeld. Durch die Vermittlung des Caritasverbandes Baden-Baden bin ich schließlich ehrenamtlicher Mitarbeiter der IBB (Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle) Baden-Baden/Rastatt geworden. Aber das nur am Rande.

Wichtig für mich bei den Beratungsstunden war immer der Austausch auf Augenhöhe, der hier tatsächlich stattfindet. Sicherlich, in Krisenzeiten gibt es nicht immer eine Lösung oder eine Abwendung des Krankheitsausbruchs, aber der Kranke wird mit seinem Dilemma nicht allein gelassen. In instabilen Phasen kann der Mitarbeiter des SpDi mit konkretem Rat und Begleitung – bis hin zur Klinikpforte – oftmals hilfreich intervenieren. In stabilen Zeiten dagegen den Betroffenen stärken und in seiner positiven Haltung bestätigen.

In der Begleitung psychisch erkrankter Menschen stößt auch der SpDi an seine Grenzen, wenn es um akute Notfälle geht. Aber wir Betroffenen wissen auch, dass in diesen akuten Krisenzeiten letztendlich der Arzt bzw. eine Klinik gefragt ist. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es immer auf die Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen der beteiligten Personen ankommt.

Wir Betroffenen können durchaus vom Angebot des SpDi profitieren. Dazu gehören auch Freizeit-, Beschäftigungs- und Arbeitsangebote. Wir haben die Möglichkeit, in Gemeinschaft mit anderen Betroffenen und den Mitarbeitenden unsere Möglichkeiten und inneren Werte besser zu begreifen und uns auch mitzuteilen.

Also: Das war es in Kürze. Ich hoffe, den ein oder anderen neugierig gemacht zu haben.

Übrigens: Der Caritasverband bzw. der SpDi sucht immer wieder ehrenamtliche Mitarbeiter, die bereit sind, Vorurteile und Berührungsängste beiseite zu schieben und sich dort einzubringen.

 

 

 

 

Olaf Schädlich
Betroffener und Ehrenamtlicher der IBB-Stelle Baden-Baden / Rastatt

03 Jul 2018

Leitwort Juli 2018

Bei Vorüberlegungen zu diesem Leitwort zum Caritas-Jahresthema kam mir der Gedanke, ich sollte mal nachschauen, ob sich die Bibel zum Thema Wohnungslosigkeit äußert.
Natürlich ist die Bibel kein Handbuch zur Lösung aktueller tagespolitischer Fragen, doch gibt sie sehr wohl richtungsweisende Impulse für menschliches Handeln.
Und siehe da, ich wurde fündig: Gott selbst ist wohnungslos!

So kommt das Jesuskind in einem Stall zur Welt, kein Platz in einem sicheren und bezahlbaren Quartier (Lk 2,7). Und der erwachsene Jesus wird einmal sagen, dass der Menschensohn nichts habe, wo er sein Haupt hinlegen könne, im Unterschied zu den Füchsen mit ihren Höhlen und den Vögeln mit ihren Nestern (Mt 8,20/Lk 9,58). Auch unterwegs sucht er immer wieder Quartier bei Menschen und lässt sich – ausgerechnet – vom verhassten Steuereintreiber Zachäus einladen (Lk 19,5f).

Gott auf Wohnungssuche; Gott möchte einkehren; Gott bittet um Aufnahme und sucht, wo er willkommen ist.
Aber, so könnte man einwenden, Gott hat doch Häuser, ganz viele, vom Petersdom angefangen bis zur improvisierten Gebetshütte.
Ich denke, da liegt ein Irrtum zugrunde: Gott residiert eben nicht in Pracht und Herrlichkeit in unseren Domen und Tempeln. Er ist vielmehr dort zu finden, wo die Obdachlosen sind, die Platte machen und vor U-Bahnschächten oder unter Brücken schlafen, bei denen, die ihr Leben nur noch durch Genuss von Drogen oder Alkohol irgendwie hinzukriegen versuchen; bei den Frauen und Männern, die in Wohnheimen und Notunterkünften leben.

Das Menschenrecht auf Wohnraum wurde dadurch hinweggefegt, dass Wohnungen längst zu Renditeobjekten geworden sind, so wie langsam immer mehr Gesellschaftsbereiche ökonomisiert und Menschen nur nach dem Kriterium ihrer Nützlichkeit und nicht ihrer Würde betrachtet werden. Gerät so der Art. 1 GG, dass die Würde des Menschen unantastbar sei, nicht zu einer bösartigen Satire?
Und wir, die wir uns Christen nennen und somit den Beinamen (Titel) Jesu von Nazareth auf uns beziehen?

Die Lösung finde ich zum einen bei Jesaja (58,7), wo es bezüglich der menschlichen Gerechtigkeit heißt: „Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen, obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden …“?, sowie bei Matthäus (25,35): „…Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“

Doch ich fürchte, dass auch heute nach 2000 Jahren in der Herberge noch immer kein Platz wäre, wenn Gott seinen Sohn in diesen Tagen wieder zu uns auf die Erde schicken würde.
Wir als Caritas-Verband, aber auch als Wähler und Staatsbürger können gar nicht genug Druck auf die Politiker unseres reichen Landes machen, sich das jahrelange Versagen bezüglich sozialen Wohnungsbaus nicht nur einzugestehen, sondern endlich aktiv zu werden. Wenn wir uns immer wieder vor Augen halten, dass eine Begegnung mit dem Herrn erst einmal dort stattfindet, wo wir etwas für die geringsten Schwestern und Brüder tun (Mt 25), dann erst macht es Sinn, auch von einer Begegnung mit Jesus in der Liturgie im Hause des Herrn zu sprechen.

Und so lässt sich ja doch mit der Bibel in der Hand konkret Politik mitgestalten.
Dann kann sich erfüllen, was Johannes (14,23) Jesus sagen lässt: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.“

Ihr
Stefan Lutz-Bachmann, Diakon
Vorsitzender des Caritasrates

14 Mrz 2018

Augen auf bei der Berufswahl

»Nur wenn man etwas gerne tut, macht man es gut.«

Seit Monaten sind das Thema Pflege und der Fachkräftemangel endlich in der Öffentlichkeit und in der Politik angekommen. Absehbar ist das schon lange. Der demografische Wandel kommt ja nicht von heute auf morgen. Statistiken, die der Pflege eine düstere Zukunft vorhersagen, gibt es daher zur Genüge. Gute Versorgung von alten, pflegebedürftigen Menschen und gelingende Unterstützung ihrer pflegenden Angehörigen sind in der Gesellschaft des langen Lebens zu einer der größten gemeinschaftlichen Herausforderungen geworden. Das Berufsbild der Altenpflege wird zunehmend unattraktiv dargestellt. Doch es gibt auch positive Beispiele. Es ist mir eine Herzensangelegenheit aus der Perspektive einer Pflegenden Stellung zu nehmen, für die Pflege Berufung ist.

Beim Kennenlernen von Menschen wird unter anderem gern die Frage nach dem beruflichen Tun gestellt. Meine Antwort auf diese Frage: „Ich bin Altenpflegerin“. „Oh! – Ja?“ Die Augen weiten sich. „Das könnte ich nicht machen!“ oder „Ein schwerer Beruf!“. Manchmal auch nur stilles Zur-Kenntnis-Nehmen.

Die wenigsten Menschen fragen mich, was ich in diesem Beruf denn genau mache. Mein Eindruck auf diese so hilflos wirkenden Reaktionen: Ich fühle und spüre, dass es hier Erklärung bzw. Aufklärung bei der Mehrheit unserer Gesellschaft bedarf.

Altenpflege ist seit jeher eine humane Aufgabe. Auf Grund der demografischen Entwicklung unserer Bevölkerung werden aber immer mehr Menschen für diesen Beruf gebraucht. Dies kann nur gelingen, wenn dieser Beruf attraktiver gemacht wird. Unattraktive Dinge, wie wechselnde Arbeitszeiten, geteilte oder Schichtdienste etc. müssen durch entsprechende Entlohnung wettgemacht werden. In unserer Gesellschaft ist humanes, menschliches Verhalten zu wenig Anreiz, um darauf sein Leben zu begründen.

Altenpflegerin oder Altenpfleger zu sein, heißt für mich und die Personen mit diesem Beruf: Wir helfen alten Menschen, wir tun Dienst am alten Menschen. Wir Altenpfleger begleiten Menschen und tun Dienste an ihnen, die sonst kein anderer für sie tut oder tun kann.

Definition der Altenpflege:
Altenpflege ist Arbeit mit alten Menschen – sie wird ausgeführt mit den Händen, dem Herzen und dem Verstand.
Altenpflege ist ein Beziehungsprozess – die Fähigkeit, sich in Lebenssituationen, Erlebnis- und Bedürfnislage der alten Menschen hineinzuversetzen, ist eine wesentliche Voraussetzung für gute Pflege.
Altenpflege ist eine hochqualifizierte Leistung – bedeutet professionelle, ganzheitliche pflegerische Betreuung, Beratung und Begleitung von alten Menschen

Eine immer wiederkehrende schöne Erfahrung ist es, unmittelbar zu erleben, was ein hochbetagter Mensch alles selbstständig kann. Diese Menschen auf ihrem Lebensweg ein Stück zu begleiten, ist ein Geschenk. Ein Wachsen und Stärken der eigenen Persönlichkeit, soviel „gelebtes Leben“ zu erleben. Zu erfahren wie viel Interessen, Neugierde, Gefühle und Möglichkeiten in diesen alten Menschen stecken.

Es gibt sie: Attraktive Arbeitsplätze

Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich in einem Team, in dem die Arbeitsatmosphäre geprägt ist von gegenseitigem Respekt, Anerkennung, der fachlichen Qualifikation und der Persönlichkeit der Mitarbeitenden. Wir sehen uns als Team und arbeiten kooperativ zusammen. Für uns bedeutet Team, ein aufgeschlossenes, tolerantes und ehrliches Miteinander! (Auszug aus unserem Leitbild)
Als Fachbereichsleitung der Tagespflegestätten in Baden-Baden und Steinbach bin ich überzeugt, dass es gelingen kann gute Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dazu gehören gute Rahmenbedingungen. Mir ist natürlich bewusst, dass wir aufgrund der geregelten Arbeitszeiten vergleichsweise gut dran sind. Persönliche Entwicklungsmöglichkeiten, Arbeit in einem guten Team fördern ein erfolgsorientiertes und innovatives Arbeitsklima.

Arbeitszeit ist Lebenszeit: wie traurig muss es sein, wenn man dabei unglücklich ist!

Allen, die sich für diesen schönen Beruf entscheiden, wünsche ich von Herzen alles Gute!

Ihre
Manuela Lang
Fachbereichsleitung Altenhilfe

09 Feb 2018

Gutes Neues Jahr 2018

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Homepage,
Liebe Freundinnen und Freunde des Caritasverbandes,

es ist noch gar nicht so lange her und doch schon wieder so weit weg. Ich hoffe, Sie haben 2018 gut begonnen und konnten auch noch etwas von der weihnachtlichen Botschaft in das neue Jahr mitnehmen.

Vor dem großen Ereignis, das wir an Weihnachten feiern, die Geburt Christi, wird von der Herbergssuche erzählt. Die Familie Jesu war also ohne Obdach und musste in einer armseligen Notunterkunft, einem Stall, Schutz suchen. Ein sehr aktuelles Schicksal, das heute viele Menschen auf der Welt und auch in unserem reichen Land teilen.

Die Caritas in Deutschland stellt das Jahr 2018 unter das Motto „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ und macht damit auf den Mangel an Wohnraum in vielen deutschen Städten ebenso aufmerksam wie auf die Situation von Menschen, die in prekären Wohnsituationen oder gar ohne Wohnung leben müssen. Selbst für Menschen mit mittleren Einkommen bedeuten hohe Wohnkosten heute ein erhebliches Armutsrisiko.

So betont Caritas-Präsident Peter Neher „Wohnungsnot ist zu einer sozialen Wirklichkeit geworden, die gesellschaftspolitisches Konfliktpotenzial birgt. Immer mehr Menschen erfahren, dass sie nahezu chancenlos auf dem Wohnungsmarkt sind. Oder sie müssen mehr als ein Drittel ihres Einkommens für Miete und Wohnkosten ausgeben. Wenn zunehmend der Geldbeutel bestimmt, wie sich Stadtteile und Quartiere zusammensetzen, führt dies zu einem Auseinanderdriften von Milieus und schwächt so den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das Problem hat also die Mitte unserer Gesellschaft erreicht.“

Auch in Baden-Baden sind wir mit Wohnungsnot, Wohnungsknappheit und Wohnungslosigkeit konfrontiert. Der Caritasverband unterhält seit über 60 Jahren in Baden-Oos eine Facheinrichtung, die Menschen ohne Wohnung unterstützt. Im Laufe der Jahre wurde die Konzeption der Einrichtung immer wieder den aktuellen Gegebenheiten und den Bedürfnissen der Betroffenen angepasst. Ein paar Zahlen zur Situation in unserer Stadt:
In unserer Einrichtung in Oos hatten wir 2017 8620 Kontakte zu insgesamt 223 Personen (179 Männer und 44 Frauen). Weitere 220 Menschen sind in Obdachlosenunterbringung durch die Stadt ordnungsrechtlich untergebracht.

Die Problematik des knappen Wohnraums ist aber auch in unseren anderen Tätigkeitsfeldern zunehmend zu spüren. Junge, Alte, Gesunde, Kranke, Menschen mit psychischen Behinderungen, Langzeitarbeitslose, Menschen in Armut, Einheimische oder Zugewanderte sind zunehmend auch von der Sorge um Wohnraum betroffen.
Sicher gehen die Problemlagen oft weit über die Wohnungsfrage hinaus. Aber wie soll man die Kraft aufbringen, an seinen Problemen zu arbeiten, wenn eine so existenzielle Frage nicht geklärt ist. Wenn Wohnraumverlust droht, die Unterkunft unzureichend, gesundheitsgefährdend und/oder in einem gewaltbereiten Umfeld ist, oder, wenn man nicht weiß wo man in der nächsten Nacht schlafen kann.

Zu Beginn des Jahres haben wir in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter und dem Fachbereich Bildung und Soziales der Stadt zwei neue Dienste eingerichtet. Der „Auswegweiser“ richtet sich an junge, langzeitarbeitslose Menschen im Alter von 18 – 25 Jahren. Das Angebot „Lotse aus der Wohnungslosigkeit“ soll Menschen jeden Alters dabei unterstützen adäquaten Wohnraum zu finden. Einige Personen fallen in beide Zielgruppen.

Die Aufgabe unserer MitarbeiterInnen ist es, Menschen die dem Arbeitsmarkt fern sind zu einer Mitarbeit zu motivieren. Gleichzeitig sind wir und die von uns begleiteten Menschen auf Mithilfe der Mitmenschen angewiesen. Gefragt sind Praktikums- und Arbeitsplätze sowie bezahlbarer Wohnraum jeder Größe.
Ich danke allen, die uns bei unserer Arbeit unterstützen und wünsche allen Menschen in Baden-Baden und darüber hinaus ein gesegnetes Jahr 2018 und ein friedvolles Miteinander.
Bleiben Sie uns gewogen

Ihr
Jochen Gebele
Geschäftsführender Vorstand

08 Okt 2017

Montagmorgens – ein Stück Heimat

Ich muss heute Morgen nichts leisten, nichts Besonderes tun, nichts Gescheites sagen, mich nicht verstellen oder irgendwie „darstellen“.
Ich kann mit netten Leuten montags im „Frühstückstreff“ am Frühstückstisch sitzen und mich ganz normal über ganz alltägliche Dinge unterhalten.

Das ist ein gutes Gefühl:
Ohne Druck einfach da sein zu können.
Zu wissen – Hier sind alle die kommen, willkommen.

Besonders gefällt mir:
Hier wissen die Menschen voneinander, freuen sich über die bekannten (oder neue, unbekannte) Gesichter – fragen nach, nehmen Anteil. Jede/r ist so angenommen, wie er / sie ist.
Schließlich kennt man auch die Eigenheiten der anderen (wer gerne mitorganisiert und mitredet oder lieber am Tischende erst einmal Zeitung liest oder auch wer viel krümelt, wer am besten nahe am Käse sitzt oder Honig mag und wer später kommt und nur kurz einen Kaffee trinkt).
Natürlich wissen wir auch Wesentliches voneinander. Es wird mitgefiebert und nachgefragt, bei anstehenden Operationen, Krankheitsfällen in der Familie, anstehenden Feiern oder Reisen… .
Alles und alle haben hier Platz und Raum.

… ein paar praktische Nebeneffekte hatte das Frühstückstreffen für mich oft auch schon:
Ich erfahre montags morgens, was in der Welt ganz aktuell los ist (meistens hatte ich Zuhause wenig Gelegenheit, schon Zeitung zu lesen oder Radio zu hören).
Die Zeitung liegt auf dem Tisch aber oft hat auch schon irgendwer in der Runde ein Thema angeschnitten – zur Wahl, zum politischen Tagesgeschehen oder auch zur aktuellen Wetter- und Verkehrslage.
Auch so manche kleine Alltagsfrage hat sich hier schon beantwortet.
Ich weiß welche Bäcker wo in Baden-Baden teuer oder günstig sind und gute Waren haben.
Ich bekomme Infos zu Busverbindungen und Fahrplänen, so dass ich mir schon die Netzsuche oder den Gang in die Warteschlange bei der KVV ersparen konnte.
Tipps für Rezepte gehen über den Tisch oder ich bekomme mit, wo die nächste Baustelle zu erwarten ist und wie ich sie am besten umgehe.

Mir gefällt, dass es so „normal“ und menschlich zugeht.
Wir unterhalten uns über ganz normale Dinge. Wie das Essen geschmeckt hat, was am Wochenende bei wem los war, auch das „nicht immer was los“ ist.

Mir wird wieder klar, wie wichtig soziale Kontakte sind. Sich austauschen zu können.
Morgens sagen zu können „heute habe ich schlecht geschlafen“ oder „mich nervt das kalte Wetter“ oder „ich habe meine Steuererklärung auch noch nicht gemacht“.
Auch richtige gute Gespräche haben sich schon entwickelt – zum Thema Vorhersehung und der Frage nach Gott oder zu politischen Fragen oder zum Umgang mit Krankheit und Alter in der Familie… .

Zugleich werde ich demütig und komme ein wenig „auf den Boden zurück“.
Ich höre davon, was es bedeutet, mit einer psychischen Krankheit zu leben. Dauerhaft Medikamente zu nehmen und mit ständigen Arztbesuchen vertraut zu sein.
Auch dass es kein Selbstverständnis ist, eine intakte Familie zu haben oder eine feste Arbeitsstelle oder eine Aufgabe, die mich erfüllt.
Aber das Bedürfnis danach ist da, ein ganz menschliches Bedürfnis.

Ich finde es wunderbar, dass es Einrichtungen wie die Caritas gibt, die Menschen auffangen und ihnen Raum und Platz geben, wo es im Leben Schwierigkeiten gibt – egal ob psychische Probleme, Krankheit, Armut, Schulden oder einfach eine schwierige Lebenssituationen.
Eine Einrichtung, zu der Menschen einfach kommen können, egal mit welchen Problemen, aus welchem Umfeld, mit welcher Herkunft.
Es ist wesentlich und ein Ur-Bedürfnis, angenommen zu sein, wie man ist. Mit allen Fehlern, Problemen und Unzulänglichkeiten. Es ist wichtig, „Heimat“ zu haben. Einen Ort, an den ich kommen kann. Menschen zu finden, die sich auf mich freuen.

Hier am Montagmorgen ist ein Stück Heimat, um anzukommen, da zu sein, angenommen zu sein.
Im Dienst der Caritas ist ein zutiefst christlicher Auftrag erfüllt: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat“ (Röm. 15,7).

… und weil wir bald wieder Weihnachten haben noch ein Gedanke:
Gott ist Mensch geworden. Ganz arm, ganz einfach. In einem Stall. Die Hirten – die Ärmsten am Rande der Gesellschaft – haben es zuerst erfahren dürfen. Jesus war immer dort, wo Menschen einsam, krank, schuldig, hilfsbedürftig, arm, klein…. waren – ganz normal, ganz alltäglich, ganz menschlich eben.
Jesus hätte sich Montagmorgens in der Frühstücksrunde bestimmt auch richtig wohl gefühlt.

Cornelia Stern

Ihre

Cornelia Stern
Ehrenamtliche im Frühstückstreff des Sozialpsychiatrischen Dienstes

08 Sep 2017

Die ARCHE NOAH besucht den Tafelladen des Caritasverbandes

Wir haben genug zu essen,
wir werden täglich satt,
hilf dass wir den nicht vergessen,
der nichts zu essen hat.

Ein Gebet, das auf unserem Gebetswürfel steht und welches wir gerne beten.
Doch, was steht da?
Wir haben uns aufgemacht dies gemeinsam mit den Kindern der Bärengruppe herauszufinden.

40 Tage fasten wir, so fing es an!
Von Aschermittwoch bis Ostern. Auf etwas zu verzichten was man gerne isst, ist uns schon an manchen Tagen schwer gefallen. Die Lieblingssüßigkeiten, das Schokocroissant oder gar die Brezel.
Jetzt muss man sich mal vorstellen, dass es nicht nur in Deutschland Menschen gibt, die kaum Essen haben oder zu wenig Geld haben, um sich Essen zu kaufen.
Sie müssen verzichten, tagein – tagaus!

Nachdem wir 40 Tage gefastet haben, haben wir Kinder Ostern gefeiert und unser mitgebrachtes Kindergarten-Vesper miteinander geteilt.
Das kam sehr gut an, denn nicht nur die Sozialkompetenz „Teilen“, auch das Probieren anderer Lebensmittel von zum Beispiel der besten Freundin oder dem besten Freund war Programm.
Da haben sogar Dinge geschmeckt, die sonst nie angerührt wurden.
Bei vielen Kindern war es sogar so, dass sie am nächsten Tag das gleiche Essen von ihren Eltern für das Kindergarten-Frühstück orderten.
Immer wieder kamen wir auf die Frage: Wie kann man diesen Menschen helfen, die jeden Tag überlegen müssen, wie sie an Essen kommen?
Unsere Kinder hatten tolle Ideen, die vielleicht nicht alle so umsetzbar waren, aber am Ende wussten wir, wir müssen den Tafelladen des Caritasverbandes hier in Lichtental besuchen, um das herauszufinden.
Eine Besichtigung des Ladens, um die Leute kennen zu lernen, die dort ehrenamtlich arbeiten, die vielen Lebensmittel, die dort ankommen und eigentlich auf den Müll geworfen worden wären, das war unser Ziel.
Ein Anruf genügte und sofort war man bereit, uns den Laden und seine Geschichte zu erzählen. Frau Doll nahm sich einen Vormittag Zeit für uns. Sie führte uns durch den Laden mit seinen einzelnen „Abteilungen“ und Mitarbeitern, sie erklärte und zeigte uns einiges. Im Vorfeld hatten wir im Kindergarten leckere Kekse gebacken, die wir den ehrenamtlichen Helfern des Tafelladens als Anerkennung für ihre Arbeit schenken wollten.
Beim Rundgang durfte jedes Kind eine Tüte verteilen und somit Dankbarkeit „weitertragen“. Zum Abschied bekam jedes von den Kindern eine kleine Schoko-Überraschung geschenkt.

Bei der Nachbereitung im Kindergarten wurde uns bewusst, dass man das Essen würdigen soll, froh sein soll jeden Tag genug Essen zu haben, Teilen ein wichtiger Faktor ist, Dankbarkeit und Respekt gegenüber der Natur haben sollte und der Gedanke der Nächstenliebe gerade in der heutigen Zeit immer wichtiger wird.

… hilf uns auch weiterhin, den nicht zu vergessen, der nichts zu essen hat!

Heike Villhauer
Erzieherin im Katholischen Kindergarten ARCHE NOAH

22 Mai 2017

Zusammen sind wir Heimat

„Hallo, meine Familie!“- ruft Florence, die in Kamerun geboren ist, fröhlich, wenn sie donnerstags ins Café IDA im Stadtteilzentrum Briegelacker kommt.

Khadra, die in Somalia geboren ist, schenkt ihr Tee ein und fragt, ob sie einen Börek möchte, welche Emine, die in der Türkei geboren ist, gerade am Herd zubereitet.

Eine halbe Stunde später unterhalten sich 15 Frauen, die alle in unterschiedlichen Ländern geboren sind, über die verschiedensten Themen -und vor allem: Sie lachen viel gemeinsam.

Hier im Café IDA (die Buchstaben stehen für „Integration, Denkanstöße, Austausch“), wird das diesjährige Caritas-Jahresthema „Zusammen sind wir Heimat“ besonders greifbar.

Wöchentlich treffen sich hier Frauen, die in unterschiedlichen Ländern geboren sind und nun in Baden-Baden leben. Sie alle haben unterschiedliche Sprachen und unterschiedliche Lebensgeschichten.

Ein Teil sind Flüchtlinge, leben in einer Gemeinschafts-Unterkunft und warten noch auf ihre Anerkennung,- andere leben schon seit vielen Jahren hier, haben die deutsche Staatsbürgerschaft und ihre Kinder besuchen das Gymnasium, arbeiten oder studieren.

Ihnen allen ist aber gemeinsam, dass sie ein Stückchen Heimat gefunden haben, in der Freundschaft zueinander und vor allem im Miteinander, das sie in den zahlreichen Angeboten und Veranstaltungen im Stadtteilzentrum erleben.

Während meiner Arbeit konnte ich schon oft beobachten, dass Frauen, die zum ersten Mal unsere Angebote besuchten, noch ganz „in sich gekehrt“ waren und unsicher im Umgang mit anderen, weil sie lange in sozialer Isolation lebten.

Je öfter die Frauen in unser Haus kommen, sind Veränderungen sichtbar,- das fängt schon an der Körperhaltung an, der Gang wird selbstbewusster, der Blick offener, die Sprache lebhafter – man spürt richtig, „hier blüht ein Mensch auf“. Florence sagt oft: „Hier bei Euch konnte ich zum ersten Mal wieder Tränen lachen“.

Wir freuen uns auch ganz besonders, wenn unsere ehemaligen Besucherinnen, die bei uns als Kind in der Hausaufgabenhilfe, im Mädchentreff oder sonstigen Angeboten waren, nun als Erwachsene mit ihren eigenen Kindern in unsere Spielgruppe oder andere Treffs kommen. Erst vor kurzem kam eine junge Frau, die früher bei mir den Kindertreff besucht hatte, in das Café IDA. Ganz besonders gefreut hat mich ihr begeisterter Ausruf (nach einem tiefen Atemzug) – „Hier riecht es nach meiner Kindheit, das ist wie heimkommen!“.

Wenn gemeinsam gekocht, gefeiert und getanzt wird, dann wird Sprache nebensächlich und ein Stück Heimat, das man verloren hat, findet man in der Gemeinschaft wieder. Bei unserem jährlich stattfindenden Stadtteilfest, in dem sich viele BesucherInnen unserer Angebote auf vielfältige Weise beteiligen, ist das Motto „Zusammen sind wir Heimat“ immer wieder besonders gut erlebbar.

Heimat ist letztendlich da, wo ich als Person wertgeschätzt werde, unabhängig von meiner Herkunft, meiner Religion, meinem Aussehen und allen meinen Eigenschaften. Heimat ist da, wo ich mich fallen lassen kann, und „ankommen“ kann, mit meinen Sorgen und Schwächen, aber auch mit meinen Freuden und Stärken.

Wir möchten den Menschen mit unserer Arbeit ein Stück Heimat geben – dies gilt für alle Fachbereiche des Caritasverbandes. Die Integration der Flüchtlinge stellt alle sozialen Institutionen vor gewaltige Herausforderungen und die Zukunft wird zeigen, ob wir es geschafft haben, den Menschen, die zu uns kommen, ein Stück Heimat zu geben.

In meinem persönlichen Arbeitsfeld möchte ich besonders den Frauen mit Migrationshintergrund in unserem Stadtteilzentrum ein Stück Heimat und ein Stück Zuhause geben, so dass Florence noch lange bei der Begrüßung sagen kann: „Hallo meine Familie“

„Zusammen sind wir Heimat“ – in diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine Gemeinschaft, in der sie das erfahren dürfen!

Herzlich

Agnes Lemcke

Agnes Lemcke
Diplomsozialpädagogin (BA)
Stadtteilzentrum Briegelacker

07 Mrz 2017

Vom Glück mit Tieren zu leben – ein Tag im Fachbereich Altenhilfe

Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Lucky, oder Lucy, oder Bello oder Schwarzer. Eigentlich nennt mich fast jeder anders, aber das spielt für mich keine Rolle. Ich bin ein Flat Coated Retriever, männlich und im besten Alter von 6 Jahren. Zu meinen Wesenszügen gehört, dass ich elegant, zutraulich und lebenslustig bin. Von Beruf bin ich Begleithund, Zuhörer, Seelentröster und Herzensbrecher, also eigentlich ein Naturtalent. Meine Menschin nennt mich ihr „Herz auf vier Pfoten“. Mein Familienstand: die treueste Seele meiner Menschin, die für die Altenhilfe berufen ist. Meine Menschin und ich haben das Glück, täglich gemeinsam zur Arbeit gehen zu dürfen. Mir ist das recht, weil ich nicht gerne alleine bin und meine Menschin sagt, ich sei einer der wichtigsten Mitarbeiter. Ich bekomme zwar keinen Lohnzettel, aber ich brauche zu meinem Hundeglück nicht viel. Stets gut gelaunt, immer einsatzbereit und aufmerksam, bin ich also täglich bei den Senioren im Dienst.

Morgens – vor der Arbeit – lässt mir mein Frauchen erst einmal ordentlich die Luft heraus. Ich springe zigmal dem Ball hinterher. Das macht mir sehr viel Spaß und so kann ich mich dann auch erstmal ausruhen, wenn ich alle begrüßt habe. Zunächst ist sowieso nicht viel los. Die Fahrer holen alle Gäste erst ab, nachdem sie mich kräftig durchgekrault haben. Dienstags ist mein Lieblingstag. Die Leute, die da kommen, überschlagen sich fast vor Freude. Ich höre schon am Geräusch des Gehstockes, wer kommt. „Wo ist denn mein Schatz“, ruft dann jemand und ich begleite die Dame gerne zum Frühstückstisch. Dort sitze ich dann ganz brav neben ihr. Eigentlich bin ich so groß, dass ich an die Tischkante komme, aber ich habe weniger Ärger, wenn ich anständig daneben sitze. Heute sind ganz viele Leute da, die früher auch Hunde hatten und wenn dann Frau Schneider noch zur Gymnastik kommt, haben wir alle einen Riesenspaß.
Dann ruhe ich mich erst einmal wieder aus. Was ein Hundeleben: schlafen, fressen, schwanzwedeln.
Was meiner Hundenase besonders zuträglich ist, sind die Düfte. Es wird täglich frisch gekocht und immer wieder schleiche ich mich davon, um vor der Küchentür zu hoffen. Leider gibt es eine unsichtbare Grenze, die ich nicht überschreiten darf, sonst gibt es Ärger.
Aber ich Schlauberger weiß sehr wohl, dass anständiges Warten mich weiterbringen könnte.
Kurz nach 12 Uhr, wenn alle gegessen haben, mache ich dann den Boden sauber. Man hilft ja gerne.
Was ich nicht mag ist, wenn die Menschen traurig sind. Dann lege ich schon mal meinen Kopf auf ihren Schoß und warte, bis ich gestreichelt werde.
Im Sommer darf ich dann wieder mit hinaus in den großen Garten. Wenn die Leute Kegeln oder Ball spielen, bin ich natürlich auch dabei. Schön, dass ich mich danach im Teich abkühlen kann. Dabei lachen mich dann zwar alle aus, aber das stört mich nicht. Hauptsache die Menschen haben Freude.
Ab und zu fahre ich mit meiner Menschin in die Cité. Dort wohnen 12 Menschen, die alleine nicht mehr zurechtkommen, weil sie immer mal wieder etwas vergessen. Hier spricht man dementisch, aber ich verstehe diese Sprache gut und auch die Mitarbeiter verstehen jedes Wort. Einer der Bewohner nennt mich Lucy. Nicht, dass ich das persönlich nähme. Er weiß nicht, dass er mich verwechselt. Das war eine Hundedame, die mit ihrer Menschin hier gewohnt hat. Das wünsche ich mir auch mal, wenn mein Frauchen alt wird; dass wir immer zusammenbleiben können.
Wenn ich hier bin, besuche ich immer Reiner (Name geändert). Er hatte selber immer Hunde und kennt sich besonders gut aus. Bei ihm bekomme ich dann auch immer ein Leckerchen und meine Menschin kann mich auch mal hierlassen, weil es ihm und mir sehr gut tut, wenn er meinen Bauch krault.
Hier wohnt auch eine sehr schöne Frau. Sie kann nicht mehr sprechen, aber, wenn ich sie freudig begrüße, lächelt sie und ist ganz entspannt.

Ich spüre, dass ich hier sehr viel bedeute und ich eigne mich auch gut, weil ich gerne lerne und meinem Rudel gefallen will. Nachmittags bleibe ich zu Hause, weil Stillsitzen, Ball holen oder Gestreichelt-Werden auch anstrengende Aufgaben sind.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an all die Menschen, die es mir so leicht machen, Freude zu bereiten und Gutes zu tun!

Euer

Lucky

Flat Coated Lucky

16 Jan 2017

Zusammen sind wir Heimat

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Homepage,
Liebe Freundinnen und Freunde des Caritasverbandes,

Ich hoffe, Sie hatten ein schönes Weihnachtsfest, dessen Botschaft noch lange nachwirkt und sind auch gut in das neue Jahr gestartet.
2016 war auch in unserem Verband ein ereignisreiches Jahr. Die im Jahr 2015 neu eröffneten Angebote unseres Verbandes im Scherer Caritaszentrum in der Cité haben sich bewährt und arbeiten erfolgreich. Im Mai 2016 haben wir im Stadtteilzentrum Briegelacker unseren Kindergarten mit der Erweiterung um zwei Krippengruppen in eine Kindertagesstätte umgewandelt.

Durchgängig hat uns leider auch in vielen Bereichen wieder die Sorge der finanziellen Absicherung begleitet. Angekündigte, zum Glück dann nicht in der Form eingetretene, Zuschusskürzungen hätten unsere Arbeit in einigen Bereichen existenziell gefährdet.

Die Caritas in Deutschland stellt das Jahr 2017 unter das Motto „Zusammen sind wir Heimat“. Caritas-Präsident Neher bezieht sich in seinem Statement hierzu vor allem auf die Menschen, die auf ihrer Flucht als Schutzsuchende zu uns nach Deutschland kommen.
Neher sagt: „…..Dabei muss das Zusammenleben in Vielfalt natürlich eingeübt werden. Deshalb sind auch alle Mitglieder der Gesellschaft dazu aufgefordert, sich damit auseinanderzusetzen. Wenn dies gelingen soll, muss man sich mit den Unterschieden in der Weltanschauung und der Lebensführung beschäftigen. Differenzen und Konflikte sind auf Basis der freiheitlich-demokratischen Grundordnung auszutragen – das gilt für Einheimische untereinander übrigens genauso wie zwischen Einheimischen und Zugewanderten.
Dabei stellt sich die Frage, welche Normen und Werte für eine demokratische Gesellschaft und ihren politischen Zusammenhalt unverzichtbar sind und welche vielleicht verhandelt werden können…“.
Als eine unverzichtbare Norm unserer Gesellschaft möchte ich die nennen, dass Meinungsverschiedenheiten in Politik und Gesellschaft mit Worten, Fakten und in einem respektvollen Umgang miteinander ausgetragen werden. Gemeinsam können die unterschiedlichsten Personen, Gruppen, Parteien so an der Gestaltung der Gesellschaft arbeiten. Hetze, Stimmungsmache und die Verbreitung von Vorurteilen und Angst helfen nicht bei Lösung von Problemen. Sie verunsichern Menschen und vergiften das gesellschaftliche Klima.
Auch im zu Ende gegangenen Jahr 2016, das von Papst Franziskus als „Jahr der Barmherzigkeit“ ausgerufen war, ist die Menschheit leider oft sehr unbarmherzig miteinander umgegangen. Dies gilt für Weltlage ebenso für manches was im Kleinen in unserem Umfeld passiert ist.
Hier möchte ich noch einmal aus der Ansprache des Caritas-Präsidenten zitieren:
„Heimat, das sind die Menschen, die sich begegnen. Heimat, das sind wir mit unseren Fähigkeiten und Talenten, unseren Träumen, Wünschen und Ängsten. Heimat entsteht, lebt und kann wachsen, indem wir unsere Sprache, unsere Kultur, unser Land teilen – nur „Zusammen sind wir Heimat.“

Hier möchte ich eindeutig die Intention des Jahresthemas erweitern. Dieses „Zusammen“ schließt alle Menschen ein, Junge, Alte, Gesunde, Kranke, Menschen mit psychischen Behinderungen, Menschen mit und ohne Wohnung, Menschen in Armut oder in Reichtum und dann natürlich auch Einheimische oder Zugewanderte.
Daran, dass es möglich ist und bleibt, dass alle zusammen an einer lebenswerten Heimat hier in Baden-Baden mitwirken, werden wir uns vom Caritasverband weiterhin beteiligen.

Ich danke allen, die uns dabei unterstützen und wünsche allen Menschen in Baden-Baden und darüber hinaus ein gesegnetes Jahr 2017 mit einem friedvollen Miteinander.

Bleiben Sie uns gewogen
Ihr
Jochen Gebele
Geschäftsführender Vorstand