Not sehen und handeln.
01 Jan 2015

„Weniger, älter und bunter“

Die drei Worte „Weniger, älter, bunter“ fassen kurz und knapp zusammen, wie der demografische Wandel Deutschland verändert. In Zahlen drückt sich das dramatischer aus: Bis 2060 – also bis in 45 Jahren – kommt es bei uns zu einem Rückgang der Bevölkerung um etwa zwölf Millionen Menschen, so die Prognosen des Statistischen Bundesamts. Gleichzeitig werden die Menschen älter, was zum Beispiel den Bereich der Pflege vor gewaltige Aufgaben stellen wird.

Der Deutsche Caritasverband nimmt die Herausforderung an, die der Wandel an die Gesellschaft stellt. 2015 startet eine dreijährige thematische Initiative, die Chancen und Risiken des Wandels für die Caritas und die Menschen, die wir begleiten und betreuen, untersuchen und Konzepte erarbeiten soll.
Unsere Gesellschaft ändert sich nicht nur durch eine sich verändernde Relation der Generationen sondern auch durch Zuwanderung, neue Arbeits- und Lebensformen und vieles mehr. Dies ist auch in Baden-Baden spürbar.

Wir als örtlicher Caritasverband wollen uns auch im neuen Jahr weiterhin ins Gemeinwesen einbringen. So werden wir unser Angebot 2015 erweitern um eine halbe Stelle in der Begleitung von Ehrenamt in der Hilfe für Flüchtlinge. Dieses Angebot wird mitfinanziert durch das erzbischöfliche Ordinariat, den Diözesancaritasverband und die Gesamtkirchengemeinde.
Wir werden, mit Hilfe der Schererstiftung, ein neues Zentrum eröffnen, in dem sich unter anderem eine Wohngemeinschaft für an Demenz erkrankte Menschen und eine Tagespflegestätte befinden. Wir werden Träger eines neuen Betreuungsangebotes für Kinder unter drei Jahren, das an unseren vorhandenen Kindergarten angeschlossen wird. Die räumlichen Voraussetzungen dafür wird die Stadt schaffen. An diesen Beispielen wird die enge Vernetzung unseres Caritasverbandes mit anderen gesellschaftlichen und kirchlichen Einrichtungen und Personen deutlich.
Dies ist auch notwendig. Wir alle sind aufgerufen den Wandel unserer Gesellschaft nicht nur still und womöglich leidend zu beobachten, sondern mit zu gestalten.
Ihr Caritasverband hier in Baden-Baden wird dies weiter nach besten Kräften tun.

Wir danken allen, die uns dabei unterstützen und wünschen allen Menschen in Baden-Baden ein gesegnetes Jahr 2015.

Bleiben Sie uns gewogen

Ihr
Jochen Gebele
Geschäftsführender Vorstand

01 Okt 2014

Jeder braucht jemanden, der JA zu einem sagt!

Manchmal können die, die einem am nächsten stehen, am wenigsten helfen. Lange Zeit ohne Beruf zu sein ist für viele unvorstellbar, doch leider in unserer Gesellschaft zur gewohnten Realität geworden. Der Wunsch, sich durch eine Arbeit verwirklichen zu können, bleibt vielen Langzeitarbeitslosen oft verwehrt.

Die Gründe, warum man sich irgendwann in einer solchen Situation wiederfindet, sind von jeder Natur. Jedoch nicht selten rutscht man unverschuldet in die Arbeitslosigkeit. Langzeitarbeitslosigkeit wird oft begleitet von dem Gefühl der eigenen Nutzlosigkeit und Unzulänglichkeit. Frustration und Unzufriedenheit machen sich langsam, aber sicher, breit. Die Ablehnung, die man dabei zu allem Übel noch durch seine Umwelt erfährt, leistet ebenfalls ihren Beitrag in die falsche Richtung. Schwächen werden nicht selten über Stärken gestellt und bestimmen somit den vermeintlichen Wert eines Menschen in der Gesellschaft.

Es erfordert viel innere Stärke und Ausdauer, sich gegen die Vorurteile zu stellen, die eine Langzeitarbeitslosigkeit mit sich bringt. Bedauern, Mitleid oder sogar Distanz ist hierbei eher fehl am Platz. Beistand und tatkräftige Unterstützung ist das, was benötigt wird. Aufgrund diverser Projekte des Caritasverbandes Baden-Baden können Langzeitarbeitsarbeitslose wieder mehr Hoffnung schöpfen.

Auch ich bekam durch meine ehrenamtliche Tätigkeit als Bewerbungs-Coach und Patin Bilder und Eindrücke vermittelt, die so gar nicht mit den gängigen Vorurteilen zusammenpassen wollten. Motivation und die Bereitschaft etwas zu ändern begegneten mir häufiger als sich so manch einer hätte vorstellen können. Dass die Ausgangssituationen der Projektteilnehmer mitunter nicht die leichtesten waren, stand plötzlich gar nicht mehr so im Fokus. Mittelpunkt wurde der Mensch selbst. Sowohl ich, in meiner Rolle als Mentor, als auch die Teilnehmer in ihrer Position als „Wollende“. Sie wollten alle arbeiten, einen geregelten Tagesablauf haben, ein eigenes Einkommen erhalten, mit dem es sich leben lässt. Kurz: Sie wollten!

Natürlich steht die Integration auf den allgemeinen Arbeitsmarkt an erster Stelle und legt somit den Grundstein in eine aussichtsreichere Arbeits-Zukunft.
Doch ohne das menschliche Zutun, helfen die besten Kurse, Projekte und Seminare nichts. Miteinander das Problem anpacken ist nicht nur die Suche nach Jobs und das Schreiben von Bewerbungen, sondern beinhaltet auch zuhören und diskutieren. Die Chance sich selbst zu finden ist auf beiden Seiten gleichermaßen gegeben. Man lernt viel über sich selbst. Dinge, die man nie richtig wahrgenommen hat, Eigenschaften, die nie groß zum Vorschein kamen, aber dennoch vorhanden sind.

Man macht sich wieder bewusst, dass jeder Mensch ein Individuum ist. In unserer schnelllebigen Zeit vergisst man das häufig. Klischees und Schachteldenken prägt unsere Wahrnehmung leider viel zu oft. Wir lehnen einen Menschen ab, weil wir nur eine bestimmte Information über ihn haben. Das große Ganze wird vernachlässigt. Wir verurteilen oft schon aufgrund Geringfügigkeiten. Wer schon mal am eigenen Leib erfahren hat, dass er nur wegen eines bestimmten Makels abgelehnt oder zurückgewiesen wurde, weiß wie ungerecht sich das anfühlt. Es wurde ungerechtfertigt und mit unzureichender Information über einen gerichtet.

Lehrt uns die Bibel nicht, dass wir nicht über andere richten sollen, auf dass wir nicht gerichtet werden?! Jeder, der schon in einer solchen Situation war hat sich bestimmt nicht selten gewünscht, ein JA von seinem Gegenüber zu hören.

Auch wer das Glück hatte, noch nie Ablehnung erfahren zu müssen, sollte immer ein großes JA in seiner Hosentasche herumtragen. Man weiß nie, wann es zum Einsatz kommt und dann ist es gut, es bei sich zu haben.

Jeder kann ein JA gebrauchen. Jeder braucht jemanden, der JA zu einem sagt!

Ihre
Edith Follmer
Ehrenamtliche im Projekt Jobperspektive
Fachbereich Offene Dienste

01 Jul 2014

Unbeschreiblich

Ich kenne die Wohnungslosenhilfe seit ich dort meinen Zivildienst im Jahr 1992 absolviert habe. Damals, als ich zum ersten Mal in die Einrichtung ging, war mir „klar“ wie ein Wohnungsloser aussieht: Rauschebart, Rotweinflasche, Rucksack, Hut mit Federn und/oder Kronkorken befestigt.

Heute, 23 Jahre später, fällt mir eine Beschreibung sehr viel schwieriger. Es sind mir sehr viele unterschiedliche Menschen begegnet, mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und damit unterschiedlichen Bedarfen – dies macht die Arbeit sowohl schwierig, aber auch abwechslungsreich.

Eine Beschreibung der Wohnungslosen, oder wie es im Gesetz heißt „Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten“, ist aus meiner Sicht unmöglich – es ist unbeschreiblich. Und doch muss ich dies immer wieder in Berichten und Hilfeplänen tun.

Um dennoch einen kleinen Einblick in die Lebenssituation dieser Menschen zu bekommen, habe ich einen Betroffenen gebeten seine Situation, sein Leben, zu beschreiben (dieses Mal allerdings anonym).

Bin ich zuversichtlich abstinent zu leben?
Ich bin noch nicht einmal zuversichtlich überhaupt abstinent zu bleiben!

Warum? – Nun, das hat viele Gründe.
Es hat mit Enttäuschung zu tun, mit Selbstverachtung, Minderwertigkeit, Selbsthass, Auflehnung gegen die Gesellschaft und unheimlich viel Trauer.

Natürlich: ich will abstinent bleiben und ich versuche es solange es geht.
Aber ob ich bis an mein Lebensende abstinent bleibe, kann ich nicht versprechen.
Dafür steht im Widerspruch die Frage: Warum lebe ich, mit welchem Recht?
Um gedemütigt, geschlagen, misshandelt, gequält, missbraucht, verletzt oder verlassen zu werden?
Um andere zu verletzten?
Auf so ein Leben kann ich verzichten.

Ich führe einen einsamen Kampf gegen mich selbst.
Ich akzeptiere keine Norm. Akzeptiere nicht mich.
Ich bin traurig, dass ich lebe.

Sicherlich, all der Schmerz ist Vergangenheit, aber die Wunden bleiben.
Ich verachte mich selbst. Ich hasse mich dafür, dass ich geboren wurde.
Wäre ich nicht, hätte ich niemanden genötigt mich zu verletzen und ich bin mir sicher, es tut ihnen Leid.
Wäre ich nicht, hätten sie es nicht getan.
In der Konsequenz liegt die Schuld logischerweise bei mir.

Ob ich heute sterbe oder morgen ist mir gleich.
Meine Mutter hat mich verlassen, die Frau die ich liebte hat mich verlassen.
Meine Seele ist schon tot.
Ich werde kämpfen und gewinnen! So oder so.

(Heiko K., 36 Jahre)

Herr K. war 6 Wochen bei uns. In dieser Zeit begleitete ich ihn einige Male zur Fachstelle Sucht (er sagte, er wolle eine Therapie beantragen). Kurz vor einem weiteren Termin ist er dann aus Baden-Baden weg gegangen. Dies bedauere ich sehr und hoffe, dass er an anderer Stelle den Weg in eine Therapie weiter gehen wird.

Ich wünsche ihm alles Gute und Gottes Segen.

Ihr
Christian Frisch
Fachbereichsleiter Wohnungslosenhilfe

01 Mai 2014

Lebenswert – Demenz geht uns alle an

Lebenswert- was verbirgt sich dahinter? Woran misst sich der Wert des Lebens und wer bestimmt was den Wert des Lebens ausmacht?

Kennen Sie Menschen, die an Demenz erkrankt sind – oder deren Angehörige? Reden Sie mit Ihnen? Oder scheuen Sie den Kontakt, weil Sie mit Demenz Trauer und Verlust verbinden und damit nicht konfrontiert werden wollen?

Oder sind Sie betroffener Angehöriger? Nehmen Sie mit Ihrem demenziell erkrankten Vater oder Ihrer demenziell erkrankten Ehefrau am gesellschaftlichen Leben teil?

Alt, vergesslich, langsam, müde, hilfsbedürftig, aggressiv, zu nichts mehr zu gebrauchen, ungeschickt. Es lässt sich beliebig ausweiten! Aber die Betroffenen geben Ihre Menschenwürde nicht mit dem Beginn ihrer Erkrankung ab!

Es sind die Begegnungen mit Menschen die das Leben lebenswert machen! Dieses Zitat hängt seit einiger Zeit in unserer Einrichtung.

Die Bedürfnisse der Betroffenen verändern sich natürlich und gerade deshalb haben sie ein Recht darauf, das Leben auch im Alter und mit dieser Erkrankung noch als bereichernd und Lebenswert zu empfinden.

Essen und Trinken machen das Leben lebenswert. In guter Atmosphäre Nahrung zu sich zu nehmen die liebevoll zubereitet ist und fürsorglich und geduldig gegeben wird.

Menschliche Wärme macht das Leben lebenswert. Behutsamen Körperkontakt oder eine liebevolle Umarmung, mit den Menschen in Beziehung treten und sie wertzuschätzen.

Gehen und Bewegen machen das Leben lebenswert. Still sitzen und ruhiggestellt sein ist eine Qual. Tanzen und Spazieren gehen, Blumen und Bäume Wind, Sonne und Regen sind ein Genuss.

Freude und Humor machen das Leben lebenswert. Ein freundliches Lächeln, ein „schön dass Sie da sind“, Musik und Singen, über Missgeschicke lachen dürfen.

Teilhabe macht das Leben lebenswert. Gemeinschaft und Anerkennung, soziale Aktivitäten und Feste geben Halt. Das erinnern an frühere Erlebnisse fördern Lebendigkeit.

Ob ein Leben mit Demenz lebenswert ist, hängt entscheidend davon ab, wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Mit unserer Themenwoche im Mai wollen wir Aufmerksamkeit erregen, wachrütteln und Stellung nehmen. Wir wollen auffordern hinzuschauen und mitzugehen, Kontakt aufzunehmen, Beziehungen einzugehen. Noch immer werden Menschen mit einer Demenz ausgegrenzt .Die Rede ist von einer verloren gegangenen Persönlichkeit. Vor diesem Hintergrund ist ein Perspektivenwechsel notwendig: Menschen mit Demenz sind „Experten“ in eigener Sache. Es geht darum, sie dort zu unterstützen, wo es notwendig ist, ihnen zuzuhören und gemeinsam mit ihnen zu handeln anstatt für sie. Denn mittendrin pulsiert das Leben. Das dürfen alle spüren – die von Demenz Betroffenen und die Menschen, die sie betreuen.

Nur wenn es uns gelingt die „Lebensphase Demenz“ aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, kann auch der LEBENSWERT wieder gesehen werden.

Die vielseitigen Veranstaltungen im Rahmen unserer Themenwoche sollen dazu genutzt werden Erfahrungen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und sich über Hilfsangebote zu informieren.
Aber das soll nicht nur eine punktuelle, einmalige Aktion bleiben.

Mit ganzem Herzen und unserer professionellen Begleitung setzen wir uns dafür ein, dass das Leben mit Demenz in unserer Gesellschaft, in unserer Stadt, dauerhaft lebenswert bleibt.

Und so wünsche ich Ihnen in den kommenden Wochen schöne und wohltuende Begegnungen mit Menschen, die Ihr Leben lebenswert machen!

Ihre
Manuela Lang
Fachbereichsleitung Altenhilfe

01 Mrz 2014

„Wir sind nah dran …“?

„Weit weg ist näher als du denkst“ … lautet das Jahresthema der Caritas. Es geht hier um globale Zusammenhänge, auf die wir durch unsere Entscheidungen Einfluss haben. Wir beeinflussen mit unserem Handeln das Leben von vielen Menschen in weiter Ferne. Von Menschen, die wir nicht kennen und mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals sehen werden.

Was aber wäre, wenn all diese Menschen nun aus ihren Heimatländern fliehen müssten, weil dort die Lebensbedingungen ein lebenswertes Leben unmöglich machen. Sich eine Zuflucht und neue Heimat suchen würden. Wenn Sie plötzlich vor unserer Haustür stehen würden. Dann wären sie plötzlich „ … näher als du denkst“.

Aktuell leben in Baden-Baden zahlreiche Asylbewerber aus afrikanischen Ländern wie Gambia, Somalia, Kamerun, …. Aber auch Flüchtlinge aus den Balkanstaaten sind in die Stadt angekommen. Aufgrund der zunehmenden Anzahl der Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen, reichen die bisherigen Unterkünfte nicht mehr aus. Auch in Baden-Baden wird trotz mangelnden Platzverhältnissen versucht, den zahlreichen Flüchtlingen ein menschenwürdiges Zuhause zu geben. So sind viele der Asylbewerber auch in Wohnungen im gesamten Stadtgebiet untergekommen – so zum Beispiel auch in der Briegelackerstraße.

Also direkt vor unserer Tür, genauer gesagt vor der Tür des Stadtteilzentrum Briegelacker.

Sie „klopfen“ auch an. Doch Sie wollen kein Geld. Sie wollen, um sich verständigen zu können, die deutsche Sprache lernen. Sie wollen eine Beschäftigung. Sie wollen warme Kleidung. Sich wollen sich einbringen und bemühen, damit Sie hier bleiben dürfen. Sie wollen „ankommen“.

So bieten wir im Stadtteilzentrum nun einen ehrenamtlich geleiteten Sprachkurs speziell für Asylbewerber an. Die Kinder der Flüchtlinge besuchen unseren Kindergarten. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommen regelmäßig in den Jugendtreff. Wir beraten die Erwachsenen und vermitteln, bei Fragen und Nöten. Wir lassen sie „ankommen“.

Und Sie? Vielleicht können auch Sie einen Beitrag leisten. Die Anzahl der Asylbewerber wird in den nächsten Monaten weiter steigen. So wird es immer wichtiger, dass sich möglichst viele mit einbringen und ihren Teil dazu beitragen, damit die Flüchtlinge auch „ankommen“ können.

Wir sind mittendrin und werden das auch bleiben.

Bleiben auch Sie „nah dran“!

Ihr
Frank Herzberger
Fachbereichsleiter und
Leiter des Stadtteilzentrums

01 Feb 2014

Caritas in Baden-Baden 2014

Für Baden-Baden steht ein interessantes Jahr bevor. Die Wahl des Oberbürgermeisters/der Oberbürgermeisterin und die Kommunalwahl werden mit Spannung erwartet. Beide Ereignisse werden Änderungen bringen und das Gemeinwesen beeinflussen. Wir dürfen gespannt sein, was das für die kommunale Sozialpolitik heißt.

Und was bewegt uns sonst in der Caritasarbeit?

Wir haben ein Jahr hinter uns in dem der Caritasverband wieder gut in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde und überwiegend Wertschätzung für seine Arbeit erfahren hat. Das freut uns sehr. Innerverbandlich hat uns das Thema Personalwechsel beschäftigt. Wir haben zwei versierte Fachbereichsleiter verloren, die über eine lange Zeit hinweg, einer sogar 25 Jahre lang, die Arbeit unseres Verbandes geprägt und mit weiterentwickelt haben. Nun sind jüngere Leitungspersönlichkeiten nachgerückt. Ein Einschnitt aber auch ein Impuls.

„Weit weg ist näher als du denkst“ – lautet das Caritas-Jahresthema 2014. Ein Thema, dass sich mit unserer weltweiten Verantwortung befasst, sei es bei Einkaufsentscheidungen, bei der Beschäftigung von osteuropäischen Haushaltshilfen, beim Thema Klimawandel oder beim den Fragen zu Flucht und Vertreibung. Einige der angeschnittenen Problemkreise sind zunächst vielleicht nicht so greifbar, andere sind sehr gegenwärtig. So kommen zum Beispiel derzeit wieder mehr Menschen zu uns, die aus ihrer Heimat geflohen sind und bei uns Asyl suchen. Neben der Stadtverwaltung, Pfarrgemeinden und vielen anderen versucht auch der Caritasverband daran mitzuwirken, dass diesen Menschen menschenwürdig begegnet wird und sie ohne Ressentiments aufgenommen werden. Über Bleiberechte haben wir nicht zu entscheiden, aber so lange die Menschen bei uns sind wollen wir mithelfen, dass sie als Mitmenschen und nicht als Schmarotzer behandelt werden.

Auch wenn das Jahresthema unseren Blick auf unsere weltweite Verantwortung lenkt, so will ich doch auch ein Wort von Mutter Teresa aufgreifen: „Kennt ihr die Armen eurer Stadt?“

Immer noch gibt es Armut auch in unserer schönen Stadt Baden-Baden. Für Menschen in materieller Armut, in Ausgrenzung und Benachteiligung, in Krankheit und Pflegebedürftigkeit und sonstigen Notlagen wollen und werden wir da sein. Wir werden als kritischer und christlicher Verband weiterhin Probleme thematisieren, Partei ergreifen und unterstützen so gut wir können. Vieles was wir bisher gemacht haben, wird uns auch weiterhin ein Anliegen sein.

Wir werden auch weiterhin darum werben, dass unsere Arbeit von möglichst vielen Menschen ideell und finanziell unterstützt wird.

Ich danke allen, die uns unterstützen und wünsche Ihnen ein gutes, gesegnetes Jahr 2014.

Bleiben Sie uns gewogen

Ihr
Jochen Gebele
Geschäftsführer

07 Jan 2013

Sind wir nicht alle betroffen?

Was schreibt man auf der ersten Seite der Homepage des Caritasverbandes für die Stadt Baden-Baden e.V.? Diese Frage habe ich mir gestellt, seit dem ich weiß, dass ich hierfür zum ersten Mal ein Leitwort verfassen darf.

Welches sind die wichtigen Themen: Sozialpolitische Entscheidungen? Das liebe Geld? Der Umgang miteinander? Gott und die Welt?

Ich habe mich dazu entschlossen, diesen exponierten Platz denen zu überlassen, um die es uns in unserer täglichen Arbeit geht – den betroffenen Menschen:

„Betroffenen – Initiative“, ein komisch klingendes Wort für Menschen die mit so etwas noch nichts zu tun hatten. Schon allein die Kombination der beiden Wörter mag so manchen etwas verwirren. Betroffen und Initiative passen doch nicht zusammen, mögen einige denken.

Manche sind nun mal der Meinung „Betroffene“ sollen doch gar keine Initiative ergreifen. Sie bekommen doch Hartz IV, Grundsicherung, ihre Miete gezahlt usw. Das sollte und muss ihnen doch reichen. Was beschweren sie sich? Ihnen geht´s doch gut in unserem Sozialstaat. Was fällt ihnen denn ein aufzubegehren und „Initiative“ zu ergreifen um auf ihre Belange und Nöte aufmerksam zu machen. Sind die denn von allen guten Geistern verlassen? Sie sollen doch still sein und sich am besten nicht sehen lassen, außer vielleicht in einer Talkshow, möglichst dem Klischee entsprechend, um die Stimmung noch mehr anzuheizen.

Viele sind abgestumpft durch ihren Alltag, wo sie oft genug ums eigene Überleben kämpfen und gar nicht merken, dass sie vielleicht selbst schon „betroffen“ sind oder gerade langsam aber sicher dahin abgleiten. Oft reicht dann eine Kleinigkeit aus, dass die „Heile Welt“, in der man bisher lebte, einstürzt.

Die Betroffenen ergreifen die Initiative weil sie nicht mehr nur dasitzen wollen und alles über sich ergehen zu lassen. Dem ganzen ein Gesicht und Namen geben. Oft genug sind Betroffene resigniert und haben kapituliert, um für ihre Belange einzutreten. Dazu fehlt die nötige Kraft und Energie dies selbst zu tun. Das Kapital dieser Menschen, ob geistiges Potenzial oder handwerkliches Geschick, darf nicht einfach weggeworfen oder vergessen werden. Dazu ist unsere Gesellschaft gar nicht berechtigt, geschweige denn kann sie es sich noch leisten.

Betroffene haben sich zu einer Betroffeneninitiative zusammengeschlossen um gemeinsame Ziele zu erreichen. Die Initiative möchte Betroffenen ein Gesicht und Stimme verleihen, nicht nur um zu meckern was alles schief läuft sondern auch um konstruktive Lösungen anzubieten. Dazu reicht die Betroffeneninitiative den Verantwortlichen, Interessierten, Betroffenen, die Hand, um sich auf Augenhöhe zu begegnen, zu diskutieren und sich auszutauschen. Dies bietet die Chance ein Netzwerk über alle Grenzen hinweg aufzubauen. Aber auch Misstrauen, Ängste und Vorurteile könnten so abgebaut werden um ein besseres gegenseitiges Miteinander zu ermöglichen.

Die BI möchte auch Betroffene aus ihrer Lethargie herausholen und sagen: „Du bist wer mit Fähigkeiten. Dich brauchen wir“. Zu oft haben sie anderes gehört oder man hat es ihnen in anderer Weise gezeigt.

Ja! Es ist nicht leicht etwas völlig Neues zu machen. Dahinter wartet nämlich das große Unbekannte, wo keiner weiß was zu erwarten ist. Doch ist es interessant dieses Neuland zu betreten.

Lasst uns zusammen gehen!

Ihr

Marcus Galla
Betroffenen-Initiative Baden-Baden

Christian Frisch
Fachbereichsleiter Wohnungslosenhilfe

01 Aug 2012

Integration ist (k)eine Schnecke

„Integration ist eine Schnecke“ lautete die Schlagzeile eines Zeit-Online Artikels aus dem Jahr 2009. Kurz zuvor erschien die Integrationsstudie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung mit einer negativen Bestandsaufnahme der Eingliederung unterschiedlicher Migrantengruppen in die deutsche Gesellschaft – trotz vieler bereits geleisteter Integrationsbemühungen und Eingliederungshilfen. In der kurzen Zeit nach Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes lasse sich nicht nachholen, was in vier Jahrzehnten versäumt wurde lautete die nüchterne Bilanz des Autors.

Sicherlich ist bei der Integration von Migranten auch heute noch vieles zu tun. Dass Integration sich aber auch erfolgreich entwickeln kann, erlebe ich in meiner täglichen Arbeit beim Caritasverband Baden-Baden.

Zahlreiche Ehrenamtliche engagieren sich in unseren Einrichtungen Brücke 99 und Stadtteilzentrum Briegelacker.
Dreißig Menschen mit Migrationshintergrund haben sich in Baden-Baden zu Elternmentoren ausbilden lassen, um die Integration in Kindergarten, Schule, Gesellschaft zu fördern. Migrantenselbstorganisationen und –initiativen bringen sich mit vielen Aktionen und Veranstaltungen ein. Eine große Zahl an lokalen Projekten ist entstanden, die von kompetenten Mitarbeitern und engagierten Menschen umgesetzt werden.
Die Integrationsangebote werden hervorragend angenommen. Private Förderer finden das gut und unterstützen die Arbeit. Das alles wirkt sich positiv aus. Brücken zwischen Einheimischen und zugewanderten Menschen wurden gebaut, Netzwerke haben sich entwickelt, Kinder und Jugendliche besuchen weiterführende Schulen und beginnen ein Studium u.v.m.

Das macht Mut.

Integration ist ein Prozess von Generationen. Dabei müssen die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen positiv gestaltet werden. Die Schnecke hat Fahrt aufgenommen! Integration beginnt vor Ort – überzeugen Sie sich beispielsweise bei den Veranstaltungen zur Interkulturellen Woche vom 22.9. – 03.10.2012 in Baden-Baden.

Bleiben Sie gut integriert!

Ihr Clemens Litterst
Ehem. Fachbereichsleiter Kind, Jugend, Familie

01 Jul 2012

Auch die Investition in Soziales erwirtschaftet eine Rendite

Investoren geht es in der Regel darum, ihr Geld möglichst zu vermehren. Das ist bei der Investition in ein soziales Unternehmen, zumindest in Form direkt erwirtschafteter Zinsen, natürlich ausgeschlossen. Aber das soziale Unternehmen hat dem trotzdem etwas entgegenzusetzen.

Der Mangel an Finanzierungsmöglichkeiten ist die größte Herausforderung, die ein Sozialunternehmen heute meistern muss.
Ein „normales“ Unternehmen kann sich an die Börse, an Banken, an Beteiligungsfonds oder Wagniskapitalgeber wenden, wenn der Finanzbedarf steigt. Außerdem kann es, verkürzt dargestellt, die Preise seiner Produkte erhöhen, rationalisieren oder ins billigere Ausland abwandern.

Ein Sozialunternehmen, wie auch der Caritasverband eines ist, ist nicht monetär profitabel und erwirtschaftet auf dieser Seite der Gleichung keine Rendite. Darüber hinaus kann es weder in einem höheren Maße rationalisieren, noch wirklich die „Preise“ erhöhen und schon gar nicht den Ort seines Wirkens verlassen. Überleben kann es nur durch staatliche, kommunale und – wie in unserem Falle – durch kirchliche Subventionen, die Unterstützung gemeinnütziger Stiftungen und durch die Spenden und den Einsatz vieler Personen, Vereinigungen oder Firmen, die sich dafür entscheiden, ein Projekt, eine Einrichtung oder den Caritasverband als solchen zu unterstützen.

Doch was kommt dabei als Rendite wieder zurück? Hierbei ist – abgesehen einmal von einer eventuellen Steuerersparnis – mehr möglich als man gemeinhin denkt. Man könnte beispielsweise Beziehungen in bislang unbekannte Bereiche knüpfen, wie es unter Anderem das Projekt „gemeinsam gewinnen“ verspricht, bei dem den Mitarbeitern des jeweils beteiligten Unternehmens Einblicke in bislang fremde Welten innerhalb einer sozialen Einrichtung ermöglicht und soziale Kompetenzen gefördert werden.
Oder aber auch ein durchaus legitimer Werbenutzen: Es ist schon lange nicht mehr verpönt über das Gute, das man tut auch zu sprechen. Und viele Verbraucher orientieren sich mittlerweile eben auch daran, was ein Unternehmen, außer einem guten Produkt oder Dienstleistung, sonst für die Gesellschaft erbringt.

Bedürftigen Menschen Essen, Kleidung und Wohnung zu sichern, kranken, alten oder behinderten Menschen ein würdevolles Leben oder Kindern aus sozial benachteiligten Familien eine angemessenen Bildung zu ermöglichen, all das erbringt zweifelsohne eine wertvolle soziale Rendite, die für den sozialen Investor auch in wirtschaftlicher Hinsicht durchaus interessant sein kann.

Und in Verbindung mit den genannten Möglichkeiten ergeben sich darüber hinaus vielfach Situationen, bei welcher alle gewinnen werden und niemand etwas verlieren kann. Versuchen Sie das einmal mit einer Geldanlage zu erreichen!!!!!!!

Ihr
Martin Schröder
Verwaltungsleiter

01 Mrz 2012

Das ist doch selbstverständlich …

oder die Würde des Menschen ist unantastbar (Artikel 1 des Grundgesetzes)

Neulich in einem Krankenhaus am Rande einer badischen Kleinstadt:

Ich war zu Besuch bei einem Angehörigen. Beim abendlichen Spaziergang über den Krankenhausflur begegnete ich einer alten Dame mit schneeweißen Haaren. Sie stand barfuss, im sogenannten Flügelhemd mit heruntergelassenen Windelhosen völlig verzweifelt am Tresen zum Schwesternzimmer. Spontan ging ich auf sie zu und fragte ob ich ihr helfen könnte. Ich wurde von ihr ziemlich wüst beschimpft, reagierte darauf aber mit Verständnis und Ruhe. Schließlich gelang mir, die alte Dame zurück auf ihr Zimmer zu bringen. Trotz aller Professionalität war mir zum Heulen zumute.

Demenz geht uns alle an…

Stellen sie sich einmal folgendes vor: Sie sind gesund, können sehen, hören, schmecken, riechen, kurz gesagt: Sie haben alle Sinne beisammen. Sie haben auch Gefühle -soweit alles normal. Aber ihr Gehirn verlässt Sie langsam, schleichend. Sie können sich an immer weniger und weniger erinnern, können nicht mehr zusammenhängend denken.
Die Merkmale sind verschieden und verändern sich mit zunehmendem Abbau. Das schlägt auch auf ihr Verhalten nieder. Sie werden ängstlich, auch aggressiv, weil Sie die Veränderung die mit Ihnen passiert durchaus registrieren, sie aber nicht aufhalten können. Das Kurzzeitgedächtnis ist nahezu ausgelöscht, von der Gegenwart bis zur Kindheit wird immer mehr vergessen. Jetzt bräuchten sie besonders viel Zuwendung und Hilfe, stattdessen dämmern Sie in einem Altersheim vor sich hin, weil man Sie mit Psychopharmaka ruhiggestellt hat. Die Rede ist hier von Demenz. Die Demenz ist eine der häufigsten und schwerwiegendsten Erkrankungen im Alter. In Deutschland leiden mehr als eine Million Menschen darunter, Tendenz steigend. Statistisch gesehen wird jeder vierte Deutsche im Alter an einer Form der Demenz erkranken. Es gibt Fragen im Leben, die wir nicht stellen, weil wir uns vor der Antwort drücken wollen.

Mit der oft noch so vernichtend klingenden Diagnose Demenz gehen meist noch soziale Entwertung und Ausgrenzung einher, weil soziale Fähigkeiten verloren gehen können. Jeder Mensch hat jedoch das Verlangen etwas bewirken zu wollen, teilzuhaben und wertgeschätzt zu werden.

Das Selbstwertgefühl und die Selbstakzeptanz zu erhalten und zu stärken sind ein wichtiger Baustein in der Betreuung demenziell Erkrankter. Darin sehen wir als professionelle Pflegekräfte den Sinn unserer Arbeit.. Menschen die mit demenziell Erkrankten umgehen haben ein Gespür dafür, dass Wissen um Fakten allein nicht ausreicht Nur wer versteht kann sich einfühlen.

Unsere Aufgabe ist es Betroffenen eine Umgebung in guter Gesellschaft und in Sicherheit zu bieten,, damit sie nicht isoliert sind. Sie leben in dem Schutz den wir ihnen bieten.

Demenz geht uns alle an, denn das Recht auf ein menschenwürdiges Leben besteht auch im Pflegefall weiter, und auch dann, wenn das Gedächtnis schwindet und die Persönlichkeit sich verändert.

Auszug aus dem Leitbild unsererTagespflegestätte:
„Wertschätzender Umgang mit unseren Gästen und Mitarbeitern ist eine Grundhaltung unserer Arbeit.“

Jeder Mensch ist einzigartig. Als Team möchten wir die Persönlichkeitsrechte unserer
Tagespflegegäste achten. Wir begegnen ihnen respektvoll, und wahren ihre menschliche Würde – auch und gerade bei körperlicher und geistiger Veränderung.
Das Grundrecht auf Menschenwürde erlischt nicht wegen einer Demenz.
Die Würde des Menschen ist unantastbar, das ist uns selbstverständlich und das muss in unserer Gesellschaft selbstverständlich werden.

Ihre
Manuela Lang
Fachbereichsleiterin Altenhilfe