Not sehen und handeln.
01 Mai 2014

Lebenswert – Demenz geht uns alle an

Lebenswert- was verbirgt sich dahinter? Woran misst sich der Wert des Lebens und wer bestimmt was den Wert des Lebens ausmacht?

Kennen Sie Menschen, die an Demenz erkrankt sind – oder deren Angehörige? Reden Sie mit Ihnen? Oder scheuen Sie den Kontakt, weil Sie mit Demenz Trauer und Verlust verbinden und damit nicht konfrontiert werden wollen?

Oder sind Sie betroffener Angehöriger? Nehmen Sie mit Ihrem demenziell erkrankten Vater oder Ihrer demenziell erkrankten Ehefrau am gesellschaftlichen Leben teil?

Alt, vergesslich, langsam, müde, hilfsbedürftig, aggressiv, zu nichts mehr zu gebrauchen, ungeschickt. Es lässt sich beliebig ausweiten! Aber die Betroffenen geben Ihre Menschenwürde nicht mit dem Beginn ihrer Erkrankung ab!

Es sind die Begegnungen mit Menschen die das Leben lebenswert machen! Dieses Zitat hängt seit einiger Zeit in unserer Einrichtung.

Die Bedürfnisse der Betroffenen verändern sich natürlich und gerade deshalb haben sie ein Recht darauf, das Leben auch im Alter und mit dieser Erkrankung noch als bereichernd und Lebenswert zu empfinden.

Essen und Trinken machen das Leben lebenswert. In guter Atmosphäre Nahrung zu sich zu nehmen die liebevoll zubereitet ist und fürsorglich und geduldig gegeben wird.

Menschliche Wärme macht das Leben lebenswert. Behutsamen Körperkontakt oder eine liebevolle Umarmung, mit den Menschen in Beziehung treten und sie wertzuschätzen.

Gehen und Bewegen machen das Leben lebenswert. Still sitzen und ruhiggestellt sein ist eine Qual. Tanzen und Spazieren gehen, Blumen und Bäume Wind, Sonne und Regen sind ein Genuss.

Freude und Humor machen das Leben lebenswert. Ein freundliches Lächeln, ein „schön dass Sie da sind“, Musik und Singen, über Missgeschicke lachen dürfen.

Teilhabe macht das Leben lebenswert. Gemeinschaft und Anerkennung, soziale Aktivitäten und Feste geben Halt. Das erinnern an frühere Erlebnisse fördern Lebendigkeit.

Ob ein Leben mit Demenz lebenswert ist, hängt entscheidend davon ab, wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Mit unserer Themenwoche im Mai wollen wir Aufmerksamkeit erregen, wachrütteln und Stellung nehmen. Wir wollen auffordern hinzuschauen und mitzugehen, Kontakt aufzunehmen, Beziehungen einzugehen. Noch immer werden Menschen mit einer Demenz ausgegrenzt .Die Rede ist von einer verloren gegangenen Persönlichkeit. Vor diesem Hintergrund ist ein Perspektivenwechsel notwendig: Menschen mit Demenz sind „Experten“ in eigener Sache. Es geht darum, sie dort zu unterstützen, wo es notwendig ist, ihnen zuzuhören und gemeinsam mit ihnen zu handeln anstatt für sie. Denn mittendrin pulsiert das Leben. Das dürfen alle spüren – die von Demenz Betroffenen und die Menschen, die sie betreuen.

Nur wenn es uns gelingt die „Lebensphase Demenz“ aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, kann auch der LEBENSWERT wieder gesehen werden.

Die vielseitigen Veranstaltungen im Rahmen unserer Themenwoche sollen dazu genutzt werden Erfahrungen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und sich über Hilfsangebote zu informieren.
Aber das soll nicht nur eine punktuelle, einmalige Aktion bleiben.

Mit ganzem Herzen und unserer professionellen Begleitung setzen wir uns dafür ein, dass das Leben mit Demenz in unserer Gesellschaft, in unserer Stadt, dauerhaft lebenswert bleibt.

Und so wünsche ich Ihnen in den kommenden Wochen schöne und wohltuende Begegnungen mit Menschen, die Ihr Leben lebenswert machen!

Ihre
Manuela Lang
Fachbereichsleitung Altenhilfe

01 Mrz 2014

„Wir sind nah dran …“?

„Weit weg ist näher als du denkst“ … lautet das Jahresthema der Caritas. Es geht hier um globale Zusammenhänge, auf die wir durch unsere Entscheidungen Einfluss haben. Wir beeinflussen mit unserem Handeln das Leben von vielen Menschen in weiter Ferne. Von Menschen, die wir nicht kennen und mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals sehen werden.

Was aber wäre, wenn all diese Menschen nun aus ihren Heimatländern fliehen müssten, weil dort die Lebensbedingungen ein lebenswertes Leben unmöglich machen. Sich eine Zuflucht und neue Heimat suchen würden. Wenn Sie plötzlich vor unserer Haustür stehen würden. Dann wären sie plötzlich „ … näher als du denkst“.

Aktuell leben in Baden-Baden zahlreiche Asylbewerber aus afrikanischen Ländern wie Gambia, Somalia, Kamerun, …. Aber auch Flüchtlinge aus den Balkanstaaten sind in die Stadt angekommen. Aufgrund der zunehmenden Anzahl der Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen, reichen die bisherigen Unterkünfte nicht mehr aus. Auch in Baden-Baden wird trotz mangelnden Platzverhältnissen versucht, den zahlreichen Flüchtlingen ein menschenwürdiges Zuhause zu geben. So sind viele der Asylbewerber auch in Wohnungen im gesamten Stadtgebiet untergekommen – so zum Beispiel auch in der Briegelackerstraße.

Also direkt vor unserer Tür, genauer gesagt vor der Tür des Stadtteilzentrum Briegelacker.

Sie „klopfen“ auch an. Doch Sie wollen kein Geld. Sie wollen, um sich verständigen zu können, die deutsche Sprache lernen. Sie wollen eine Beschäftigung. Sie wollen warme Kleidung. Sich wollen sich einbringen und bemühen, damit Sie hier bleiben dürfen. Sie wollen „ankommen“.

So bieten wir im Stadtteilzentrum nun einen ehrenamtlich geleiteten Sprachkurs speziell für Asylbewerber an. Die Kinder der Flüchtlinge besuchen unseren Kindergarten. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommen regelmäßig in den Jugendtreff. Wir beraten die Erwachsenen und vermitteln, bei Fragen und Nöten. Wir lassen sie „ankommen“.

Und Sie? Vielleicht können auch Sie einen Beitrag leisten. Die Anzahl der Asylbewerber wird in den nächsten Monaten weiter steigen. So wird es immer wichtiger, dass sich möglichst viele mit einbringen und ihren Teil dazu beitragen, damit die Flüchtlinge auch „ankommen“ können.

Wir sind mittendrin und werden das auch bleiben.

Bleiben auch Sie „nah dran“!

Ihr
Frank Herzberger
Fachbereichsleiter und
Leiter des Stadtteilzentrums

01 Feb 2014

Caritas in Baden-Baden 2014

Für Baden-Baden steht ein interessantes Jahr bevor. Die Wahl des Oberbürgermeisters/der Oberbürgermeisterin und die Kommunalwahl werden mit Spannung erwartet. Beide Ereignisse werden Änderungen bringen und das Gemeinwesen beeinflussen. Wir dürfen gespannt sein, was das für die kommunale Sozialpolitik heißt.

Und was bewegt uns sonst in der Caritasarbeit?

Wir haben ein Jahr hinter uns in dem der Caritasverband wieder gut in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde und überwiegend Wertschätzung für seine Arbeit erfahren hat. Das freut uns sehr. Innerverbandlich hat uns das Thema Personalwechsel beschäftigt. Wir haben zwei versierte Fachbereichsleiter verloren, die über eine lange Zeit hinweg, einer sogar 25 Jahre lang, die Arbeit unseres Verbandes geprägt und mit weiterentwickelt haben. Nun sind jüngere Leitungspersönlichkeiten nachgerückt. Ein Einschnitt aber auch ein Impuls.

„Weit weg ist näher als du denkst“ – lautet das Caritas-Jahresthema 2014. Ein Thema, dass sich mit unserer weltweiten Verantwortung befasst, sei es bei Einkaufsentscheidungen, bei der Beschäftigung von osteuropäischen Haushaltshilfen, beim Thema Klimawandel oder beim den Fragen zu Flucht und Vertreibung. Einige der angeschnittenen Problemkreise sind zunächst vielleicht nicht so greifbar, andere sind sehr gegenwärtig. So kommen zum Beispiel derzeit wieder mehr Menschen zu uns, die aus ihrer Heimat geflohen sind und bei uns Asyl suchen. Neben der Stadtverwaltung, Pfarrgemeinden und vielen anderen versucht auch der Caritasverband daran mitzuwirken, dass diesen Menschen menschenwürdig begegnet wird und sie ohne Ressentiments aufgenommen werden. Über Bleiberechte haben wir nicht zu entscheiden, aber so lange die Menschen bei uns sind wollen wir mithelfen, dass sie als Mitmenschen und nicht als Schmarotzer behandelt werden.

Auch wenn das Jahresthema unseren Blick auf unsere weltweite Verantwortung lenkt, so will ich doch auch ein Wort von Mutter Teresa aufgreifen: „Kennt ihr die Armen eurer Stadt?“

Immer noch gibt es Armut auch in unserer schönen Stadt Baden-Baden. Für Menschen in materieller Armut, in Ausgrenzung und Benachteiligung, in Krankheit und Pflegebedürftigkeit und sonstigen Notlagen wollen und werden wir da sein. Wir werden als kritischer und christlicher Verband weiterhin Probleme thematisieren, Partei ergreifen und unterstützen so gut wir können. Vieles was wir bisher gemacht haben, wird uns auch weiterhin ein Anliegen sein.

Wir werden auch weiterhin darum werben, dass unsere Arbeit von möglichst vielen Menschen ideell und finanziell unterstützt wird.

Ich danke allen, die uns unterstützen und wünsche Ihnen ein gutes, gesegnetes Jahr 2014.

Bleiben Sie uns gewogen

Ihr
Jochen Gebele
Geschäftsführer

07 Jan 2013

Sind wir nicht alle betroffen?

Was schreibt man auf der ersten Seite der Homepage des Caritasverbandes für die Stadt Baden-Baden e.V.? Diese Frage habe ich mir gestellt, seit dem ich weiß, dass ich hierfür zum ersten Mal ein Leitwort verfassen darf.

Welches sind die wichtigen Themen: Sozialpolitische Entscheidungen? Das liebe Geld? Der Umgang miteinander? Gott und die Welt?

Ich habe mich dazu entschlossen, diesen exponierten Platz denen zu überlassen, um die es uns in unserer täglichen Arbeit geht – den betroffenen Menschen:

„Betroffenen – Initiative“, ein komisch klingendes Wort für Menschen die mit so etwas noch nichts zu tun hatten. Schon allein die Kombination der beiden Wörter mag so manchen etwas verwirren. Betroffen und Initiative passen doch nicht zusammen, mögen einige denken.

Manche sind nun mal der Meinung „Betroffene“ sollen doch gar keine Initiative ergreifen. Sie bekommen doch Hartz IV, Grundsicherung, ihre Miete gezahlt usw. Das sollte und muss ihnen doch reichen. Was beschweren sie sich? Ihnen geht´s doch gut in unserem Sozialstaat. Was fällt ihnen denn ein aufzubegehren und „Initiative“ zu ergreifen um auf ihre Belange und Nöte aufmerksam zu machen. Sind die denn von allen guten Geistern verlassen? Sie sollen doch still sein und sich am besten nicht sehen lassen, außer vielleicht in einer Talkshow, möglichst dem Klischee entsprechend, um die Stimmung noch mehr anzuheizen.

Viele sind abgestumpft durch ihren Alltag, wo sie oft genug ums eigene Überleben kämpfen und gar nicht merken, dass sie vielleicht selbst schon „betroffen“ sind oder gerade langsam aber sicher dahin abgleiten. Oft reicht dann eine Kleinigkeit aus, dass die „Heile Welt“, in der man bisher lebte, einstürzt.

Die Betroffenen ergreifen die Initiative weil sie nicht mehr nur dasitzen wollen und alles über sich ergehen zu lassen. Dem ganzen ein Gesicht und Namen geben. Oft genug sind Betroffene resigniert und haben kapituliert, um für ihre Belange einzutreten. Dazu fehlt die nötige Kraft und Energie dies selbst zu tun. Das Kapital dieser Menschen, ob geistiges Potenzial oder handwerkliches Geschick, darf nicht einfach weggeworfen oder vergessen werden. Dazu ist unsere Gesellschaft gar nicht berechtigt, geschweige denn kann sie es sich noch leisten.

Betroffene haben sich zu einer Betroffeneninitiative zusammengeschlossen um gemeinsame Ziele zu erreichen. Die Initiative möchte Betroffenen ein Gesicht und Stimme verleihen, nicht nur um zu meckern was alles schief läuft sondern auch um konstruktive Lösungen anzubieten. Dazu reicht die Betroffeneninitiative den Verantwortlichen, Interessierten, Betroffenen, die Hand, um sich auf Augenhöhe zu begegnen, zu diskutieren und sich auszutauschen. Dies bietet die Chance ein Netzwerk über alle Grenzen hinweg aufzubauen. Aber auch Misstrauen, Ängste und Vorurteile könnten so abgebaut werden um ein besseres gegenseitiges Miteinander zu ermöglichen.

Die BI möchte auch Betroffene aus ihrer Lethargie herausholen und sagen: „Du bist wer mit Fähigkeiten. Dich brauchen wir“. Zu oft haben sie anderes gehört oder man hat es ihnen in anderer Weise gezeigt.

Ja! Es ist nicht leicht etwas völlig Neues zu machen. Dahinter wartet nämlich das große Unbekannte, wo keiner weiß was zu erwarten ist. Doch ist es interessant dieses Neuland zu betreten.

Lasst uns zusammen gehen!

Ihr

Marcus Galla
Betroffenen-Initiative Baden-Baden

Christian Frisch
Fachbereichsleiter Wohnungslosenhilfe

01 Aug 2012

Integration ist (k)eine Schnecke

„Integration ist eine Schnecke“ lautete die Schlagzeile eines Zeit-Online Artikels aus dem Jahr 2009. Kurz zuvor erschien die Integrationsstudie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung mit einer negativen Bestandsaufnahme der Eingliederung unterschiedlicher Migrantengruppen in die deutsche Gesellschaft – trotz vieler bereits geleisteter Integrationsbemühungen und Eingliederungshilfen. In der kurzen Zeit nach Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes lasse sich nicht nachholen, was in vier Jahrzehnten versäumt wurde lautete die nüchterne Bilanz des Autors.

Sicherlich ist bei der Integration von Migranten auch heute noch vieles zu tun. Dass Integration sich aber auch erfolgreich entwickeln kann, erlebe ich in meiner täglichen Arbeit beim Caritasverband Baden-Baden.

Zahlreiche Ehrenamtliche engagieren sich in unseren Einrichtungen Brücke 99 und Stadtteilzentrum Briegelacker.
Dreißig Menschen mit Migrationshintergrund haben sich in Baden-Baden zu Elternmentoren ausbilden lassen, um die Integration in Kindergarten, Schule, Gesellschaft zu fördern. Migrantenselbstorganisationen und –initiativen bringen sich mit vielen Aktionen und Veranstaltungen ein. Eine große Zahl an lokalen Projekten ist entstanden, die von kompetenten Mitarbeitern und engagierten Menschen umgesetzt werden.
Die Integrationsangebote werden hervorragend angenommen. Private Förderer finden das gut und unterstützen die Arbeit. Das alles wirkt sich positiv aus. Brücken zwischen Einheimischen und zugewanderten Menschen wurden gebaut, Netzwerke haben sich entwickelt, Kinder und Jugendliche besuchen weiterführende Schulen und beginnen ein Studium u.v.m.

Das macht Mut.

Integration ist ein Prozess von Generationen. Dabei müssen die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen positiv gestaltet werden. Die Schnecke hat Fahrt aufgenommen! Integration beginnt vor Ort – überzeugen Sie sich beispielsweise bei den Veranstaltungen zur Interkulturellen Woche vom 22.9. – 03.10.2012 in Baden-Baden.

Bleiben Sie gut integriert!

Ihr Clemens Litterst
Ehem. Fachbereichsleiter Kind, Jugend, Familie

01 Jul 2012

Auch die Investition in Soziales erwirtschaftet eine Rendite

Investoren geht es in der Regel darum, ihr Geld möglichst zu vermehren. Das ist bei der Investition in ein soziales Unternehmen, zumindest in Form direkt erwirtschafteter Zinsen, natürlich ausgeschlossen. Aber das soziale Unternehmen hat dem trotzdem etwas entgegenzusetzen.

Der Mangel an Finanzierungsmöglichkeiten ist die größte Herausforderung, die ein Sozialunternehmen heute meistern muss.
Ein „normales“ Unternehmen kann sich an die Börse, an Banken, an Beteiligungsfonds oder Wagniskapitalgeber wenden, wenn der Finanzbedarf steigt. Außerdem kann es, verkürzt dargestellt, die Preise seiner Produkte erhöhen, rationalisieren oder ins billigere Ausland abwandern.

Ein Sozialunternehmen, wie auch der Caritasverband eines ist, ist nicht monetär profitabel und erwirtschaftet auf dieser Seite der Gleichung keine Rendite. Darüber hinaus kann es weder in einem höheren Maße rationalisieren, noch wirklich die „Preise“ erhöhen und schon gar nicht den Ort seines Wirkens verlassen. Überleben kann es nur durch staatliche, kommunale und – wie in unserem Falle – durch kirchliche Subventionen, die Unterstützung gemeinnütziger Stiftungen und durch die Spenden und den Einsatz vieler Personen, Vereinigungen oder Firmen, die sich dafür entscheiden, ein Projekt, eine Einrichtung oder den Caritasverband als solchen zu unterstützen.

Doch was kommt dabei als Rendite wieder zurück? Hierbei ist – abgesehen einmal von einer eventuellen Steuerersparnis – mehr möglich als man gemeinhin denkt. Man könnte beispielsweise Beziehungen in bislang unbekannte Bereiche knüpfen, wie es unter Anderem das Projekt „gemeinsam gewinnen“ verspricht, bei dem den Mitarbeitern des jeweils beteiligten Unternehmens Einblicke in bislang fremde Welten innerhalb einer sozialen Einrichtung ermöglicht und soziale Kompetenzen gefördert werden.
Oder aber auch ein durchaus legitimer Werbenutzen: Es ist schon lange nicht mehr verpönt über das Gute, das man tut auch zu sprechen. Und viele Verbraucher orientieren sich mittlerweile eben auch daran, was ein Unternehmen, außer einem guten Produkt oder Dienstleistung, sonst für die Gesellschaft erbringt.

Bedürftigen Menschen Essen, Kleidung und Wohnung zu sichern, kranken, alten oder behinderten Menschen ein würdevolles Leben oder Kindern aus sozial benachteiligten Familien eine angemessenen Bildung zu ermöglichen, all das erbringt zweifelsohne eine wertvolle soziale Rendite, die für den sozialen Investor auch in wirtschaftlicher Hinsicht durchaus interessant sein kann.

Und in Verbindung mit den genannten Möglichkeiten ergeben sich darüber hinaus vielfach Situationen, bei welcher alle gewinnen werden und niemand etwas verlieren kann. Versuchen Sie das einmal mit einer Geldanlage zu erreichen!!!!!!!

Ihr
Martin Schröder
Verwaltungsleiter

01 Mrz 2012

Das ist doch selbstverständlich …

oder die Würde des Menschen ist unantastbar (Artikel 1 des Grundgesetzes)

Neulich in einem Krankenhaus am Rande einer badischen Kleinstadt:

Ich war zu Besuch bei einem Angehörigen. Beim abendlichen Spaziergang über den Krankenhausflur begegnete ich einer alten Dame mit schneeweißen Haaren. Sie stand barfuss, im sogenannten Flügelhemd mit heruntergelassenen Windelhosen völlig verzweifelt am Tresen zum Schwesternzimmer. Spontan ging ich auf sie zu und fragte ob ich ihr helfen könnte. Ich wurde von ihr ziemlich wüst beschimpft, reagierte darauf aber mit Verständnis und Ruhe. Schließlich gelang mir, die alte Dame zurück auf ihr Zimmer zu bringen. Trotz aller Professionalität war mir zum Heulen zumute.

Demenz geht uns alle an…

Stellen sie sich einmal folgendes vor: Sie sind gesund, können sehen, hören, schmecken, riechen, kurz gesagt: Sie haben alle Sinne beisammen. Sie haben auch Gefühle -soweit alles normal. Aber ihr Gehirn verlässt Sie langsam, schleichend. Sie können sich an immer weniger und weniger erinnern, können nicht mehr zusammenhängend denken.
Die Merkmale sind verschieden und verändern sich mit zunehmendem Abbau. Das schlägt auch auf ihr Verhalten nieder. Sie werden ängstlich, auch aggressiv, weil Sie die Veränderung die mit Ihnen passiert durchaus registrieren, sie aber nicht aufhalten können. Das Kurzzeitgedächtnis ist nahezu ausgelöscht, von der Gegenwart bis zur Kindheit wird immer mehr vergessen. Jetzt bräuchten sie besonders viel Zuwendung und Hilfe, stattdessen dämmern Sie in einem Altersheim vor sich hin, weil man Sie mit Psychopharmaka ruhiggestellt hat. Die Rede ist hier von Demenz. Die Demenz ist eine der häufigsten und schwerwiegendsten Erkrankungen im Alter. In Deutschland leiden mehr als eine Million Menschen darunter, Tendenz steigend. Statistisch gesehen wird jeder vierte Deutsche im Alter an einer Form der Demenz erkranken. Es gibt Fragen im Leben, die wir nicht stellen, weil wir uns vor der Antwort drücken wollen.

Mit der oft noch so vernichtend klingenden Diagnose Demenz gehen meist noch soziale Entwertung und Ausgrenzung einher, weil soziale Fähigkeiten verloren gehen können. Jeder Mensch hat jedoch das Verlangen etwas bewirken zu wollen, teilzuhaben und wertgeschätzt zu werden.

Das Selbstwertgefühl und die Selbstakzeptanz zu erhalten und zu stärken sind ein wichtiger Baustein in der Betreuung demenziell Erkrankter. Darin sehen wir als professionelle Pflegekräfte den Sinn unserer Arbeit.. Menschen die mit demenziell Erkrankten umgehen haben ein Gespür dafür, dass Wissen um Fakten allein nicht ausreicht Nur wer versteht kann sich einfühlen.

Unsere Aufgabe ist es Betroffenen eine Umgebung in guter Gesellschaft und in Sicherheit zu bieten,, damit sie nicht isoliert sind. Sie leben in dem Schutz den wir ihnen bieten.

Demenz geht uns alle an, denn das Recht auf ein menschenwürdiges Leben besteht auch im Pflegefall weiter, und auch dann, wenn das Gedächtnis schwindet und die Persönlichkeit sich verändert.

Auszug aus dem Leitbild unsererTagespflegestätte:
„Wertschätzender Umgang mit unseren Gästen und Mitarbeitern ist eine Grundhaltung unserer Arbeit.“

Jeder Mensch ist einzigartig. Als Team möchten wir die Persönlichkeitsrechte unserer
Tagespflegegäste achten. Wir begegnen ihnen respektvoll, und wahren ihre menschliche Würde – auch und gerade bei körperlicher und geistiger Veränderung.
Das Grundrecht auf Menschenwürde erlischt nicht wegen einer Demenz.
Die Würde des Menschen ist unantastbar, das ist uns selbstverständlich und das muss in unserer Gesellschaft selbstverständlich werden.

Ihre
Manuela Lang
Fachbereichsleiterin Altenhilfe

03 Mrz 2011

„Die Tafeln entlassen den Sozialstaat aus seiner Verantwortung.“

„Die Tafeln entlassen den Sozialstaat aus seiner Verantwortung.“
„Die Tafeln verfestigen Notlagen der Menschen und helfen ihnen nicht, sich daraus zu befreien.“
„Die Tafelkunden werden mit Almosen abgespeist.“
„Die Tafeln dienen dazu, dass kollektive schlechte Gewissen zu beruhigen.“

Ja, die Tafeln bewegen sich auf einem schmalen Grat mit ihrer Form der Hilfe. Es besteht im System Tafel tatsächlich die Gefahr, dass der Sozialstaat privatisiert wird, Bedürftigen Eigenverantwortung abgenommen wird, Mitmenschen zu Almosenempfängern herabgewürdigt werden und wir unser sattes, schlechtes Gewissen damit beruhigen, die Tafeln gut zu finden und zu unterstützen.
Weiter …

01 Mai 2010

Experten fürs Leben

Leben im Alter – die Caritas-Kampagne 2010

www.experten-fuers-leben.de

Geballtes Lebenswissen im Wartezimmer
Ich habe Zeit. Sitze im Warteraum einer Reha-Klinik und warte darauf, dass mich mein Physiotherapeut aufruft. Außer mir warten hier vorwiegend alte Menschen, in deren Gegenwart ich mir mit meinen 61 Jahren fast wie ein Jugendlicher vorkomme. Sie stützen sich auf Krücken, schieben einen Rollator vor sich her, wirken gebrechlich und tasten sich behutsam zu den Sitzmöbeln. Ich überschlage kurz das Durchschnittsalter und multipliziere mit der Anzahl der Anwesenden: rund eintausend Jahre dürften hier beisammensitzen. „Mein Gott“, denke ich, „welch eine Menge Leben, Lebenserfahrung, Weisheit, Kompetenz und Praxiswissen hier sitzt!“

Das Leben gelehrt
Da ist zum Beispiel der alte Herr, der immer eine Fliege trägt und stocksteif umherstolziert, weil er große Bandscheibenprobleme hat. Als ich höre, dass er früher Mathematik und Sport unterrichtet hat, bin ich versucht, ihn als Kollegen zu begrüßen: hat er nicht in vielen Dienstjahren Generationen von Schülerinnen und Schülern mit binomischen Formeln, Bruchrechung und Wurzelziehen, mit Klimmzügen und Turnübungen auf der Matte „malträtiert“? Hat er junge Leute kompetent auf die Universität oder besser noch aufs Leben vorbereitet, „non scholae sed vitae discimus“?

Experten fürs Überleben
Ich beobachte einen kleinen pummeligen Herrn, der sich sehr liebevoll um seine an Krücken daherkommende Frau kümmert, die nur noch ein intaktes Bein hat.
Sie sprechen in einer slawischen Sprache miteinander. Ein paar Tage später bekomme ich mit, wie er einem anderen Wartenden erzählt, dass sie aus dem Kosovo stammen und seiner Frau durch eine Tretmine das halbe linke Bein abgetrennt worden war. Hier in dieser ruhigen Klinik holt uns das Monster Krieg ein. Menschen, die Opfer wurden, die mit dem Leben davonkamen, die Experten fürs Überleben sind.

Kulinarische Höhenflüge

Und dann sind da die beiden rundlichen Damen – ich hätte sie fast für Mutter und Tochter gehalten –, die sich täglich hier treffen und vor allem über Rezepte austauschen. Es ist ein gastrosophischer Genuss, ihnen zuzuhören. Hohe Kochkunst, fernab jeder Fernsehkochshow! Den Beschreibungen nach werden hier mindestens 4-Sterne-Nachtisch-Rezepte ausgetauscht. Dazu passt der alte Winzer aus dem Baden-Badener Rebland, der sich wie kaum ein anderer in Rebsorten, Lagen und Jahrgängen auskennt – und das, ohne ein Masterstudium in Önologie absolviert zu haben. Seinen Weinempfehlungen würde ich blind vertrauen.

Wie ein großes Lexikon
Ich bin täglich aufs Neue beeindruckt, welch Fülle an Wissen, Fachkenntnis und Know-how, an Bildung und Erfahrung, aber auch an Bedachtsamkeit und Gelassenheit hier versammelt ist.
Könnte man doch all das erworbene Wissen, das die hier Wartenden in ihrer Biographie mit sich tragen, sammeln und wie in einem abrufbaren Lexikon abspeichern! Viele Räder müssten von uns Jüngeren nicht mehr neu erfunden werden.

Alte Menschen sind Experten fürs Leben, weil sie – teils durch Fleiß und Arbeitseifer, teils durch die täglichen Anforderungen des Lebens – gelernt und Erfahrungen gesammelt haben. Das ermöglicht ihnen, trotz Krücken und Rollator aufrecht zu gehen und sich nichts mehr beweisen zu müssen.

Ihr
Stefan Lutz-Bachmann
Ständiger Diakon
Vorsitzender des Caritasrates beim Caritasverband Baden-Baden

01 Mai 2009

Leitwort zu Pfingsten

Ende Mai gibt es ein besonderes Wochenende, nicht nur, weil es durch einen zusätzlichen Feiertag, den Pfingstmontag, länger als gewohnt ist, es bedeutet auch für viele
„Pfingstferien“, die – in der Vorsaison gelegen – verständlicherweise von jungen Familien und Erholungssuchenden gerne zum Urlaub machen genutzt werden. Was feiern wir an Pfingsten? An Pfingsten waren die Jünger zusammen mit Maria im Abendmahlssaal auf dem Zionsberg in Jerusalem versammelt, als der Heilige Geist, der Paraklet, der Beistand, den Jesus seinen Jüngern versprochen hatte, auf sie alle herabkam. Er hat die Jünger/innen erfüllt und zu neuen, mutigen Menschen gemacht.

Für mich persönlich bedeutet das Pfingstfest auch die Erinnerung an meine Priesterweihe vor 26 Jahren, die ich zusammen mit 24 weiteren Diakonen 1983 im Freiburger Münster U. L. Frau aus der Hand des im Januar 2008 verstorbenen Erzbischofs Oskar Saier empfangen durfte. In diesem Jahr wird es an Pfingsten in meiner Heimatgemeinde St. Vitus in Bad Schönborn – Langenbrücken nach 26 Jahren wieder eine Primiz geben, die von Pater Sebastian (früher Jörg) Haas-Sigel, der am 16. Mai in der Erzabtei St. Martin zu Beuron von unserem jetzigen Erzbischof Dr. Robert Zollitsch zum Priester geweiht wurde. Für mich ist deshalb in diesem Jahr Pfingsten ein besonderer Tag des Dankes, weil 26 Jahre nach meiner Priesterweihe und Primiz es in meiner Heimat wiederum einen Primizianten gibt, wenn auch kein Diözesanpriester, sondern ein Benediktinermönch.

Da mein im August 2008 verstorbener Onkel Laurentius Hoheisel OSB Abtpräses der Beuroner Kongregation war, habe ich natürlich auch besondere Verbindungen zu den Benediktinern, zumal ich in Jerusalem ein Jahr lang 1978/79 bei Benediktinern auf dem Zionsberg (direkt neben dem Abendmahlssaal) studieren durfte.

Noch ein weiterer mir wichtiger Hinweis zu Pfingsten:
Mit dem Pfingstfest verbinden wir hier in Baden-Baden eine gute ökumenische Tradition. Am Pfingstmontag treffen wir uns schon seit Jahren zu einem Ökumenischen Gottesdienst bei gutem Wetter in der Lichtentaler Allee (Nähe Burda-Museum) mit ihren grünen Bäumen, die – nach dem französischen Erzähler Gustave Flaubert (1821-1880) – „die schönsten Bäume sind, die es auf der Welt gibt“; bei schlechtem Wetter findet der Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche statt.

Unter dem Thema “Gottes Geist eint“ treffen sich an diesem Pfingstmontag die Baden-Badener Christen – auch Gäste aus Nah und Fern – zum schon zur Tradition gewordenen Ökumenischen Gottesdienst. Die 30 Christlichen Gemeinden in der Stadt Baden-Baden, die in der ACG, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Gemeinden, zusammengeschlossen sind, richten diesen Gottesdienst gemeinsam aus.

Doch bitten wir jetzt an diesem Pfingstfest wieder neu um die Gabe und das
Geschenk des Heiligen Geistes, dass er uns ergreift und die Lebendigkeit
verleiht, die Welt und die Mitmenschen mit seinen Augen zu sehen und
Freude und tatkräftige Hilfe zu schenken: Gottes Geist verhelfe zu einer
guten „Caritas“. Gottes Geist wünsche ich unserem Caritasverband hier vor
Ort und allen, die sich, wo auch immer, füreinander einsetzen.

Klaus Fietz
(Ehem. Pfarrer an St. Bonifatius, Lichtental und Hl. Geist, Geroldsau; Leiter der Seelsorgeeinheit Baden-Baden-Lichtental, 1. Vorsitzender der ACG in Baden-Baden und des Caritasverbandes für die Stadt Baden-Baden e.V.)